Mai 292012
 

Tja, die Todestraße ist nicht ganz das Ende der Pannen, Axel stellt fest, dass ich einen Teil meiner Tankaufhängung verloren hab. Wie, das bleibt mir ein Rätsel. In La Paz verbringen wir zwei Tage auf der Jagd nach Ersatz, dann kanns endlich weitergehen Richtung Peru. Nach Copacabana am Titicacasee kommt man auf bolivianischer Seite nur mit einer lustigen Fähre: diese Kähne sind aus ein paar dicken Bohlen zusammengezimmert und mit einem Außenborder versehen.  Lago Titicaca Die knapp 500m Überfahrt dauern fast ne halbe Stunde und ist trotz kleiner Wellen ganzschön wackelig. Die restlichen 40km in die Stadt sind auf kurviger Straße schnell abgespult.  Kaum in Copacabana angekommen steht auch schon Katharina vor uns: sie, ihr Freund Reto und Jörg, von dem wir bisher nur gehört hatten, sitzen grad in der Strandbar gegenüber und genehmigen sich ein Bier 🙂  Das hört sich doch für uns auch ganz gut an!
Den „Hausberg“ der Stadt tun wir uns am nächsten Tag an, hier gehts mächtig steil über Felsblöcke auf einen Mirador von wo aus man einen schönen Blick über den See, die Inseln darin und die Stadt hat.
Als Zugabe gibts noch einen gut versteckten Geocache und Abends das Endspiel des örtlichen Muttertags-Frauen-Fussball-Turniers

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Die Ausfahrt auf die Islas del Sol und de la Luna sparen wir uns und machen uns jetzt wirklich auf nach Peru. Der Grenzübergang ist einer der bisher entspanntesten. Am Ufer des Titicaca entlang fahren wir bis Puno, wo wir noch einen Übernachtungsstopp einlegen. Auch hier wollen wir dem Touri – Nepp entgehen und fahren nicht zu den so berühmten schwimmenden Inseln. Hier wohnt zwar wohl ein ganz eigenes Völkchen, die ganzen Ausfahrten dahin sollen aber reine Abzocke sein. Dann gehts weiter nach Arequipa, einer angeblich recht schönen Stadt. Der Weg dahin führt erst durch ein recht nettes Tal und dann wieder übers Altiplano auf rund 4500m. Trotz Sonnenschein wirds wieder ganz schön frisch! In Arequipa erwischt uns erstmal der chaotische Verkehr und wir sind froh, als wir unser anvisiertes Hostel schon auf den zweiten Versuch erwischen. Es hat ne Küche, sodass wir uns tags drauf ein königliches Frühstück zubereiten. Außerdem ne Dachterrasse auf der wir den ganzen ersten Tag herumlungern, in der Sonne braten und n bissle internetten. Außer dem Catalina-Convent und der Plaza de Armas schauen wir uns aber von der Stadt gar nicht viel an, in letzter Zeit hatten wir wohl ausreichend Städte auf dem Programm!

Plaza de Armas Arequipa Catalina Konvent Arequipa Catalina Konvent Arequipa

Das Championsleague – Finale tun wir uns aber noch an, allerdings sind alle anderen Zuschauer in dieser fußballverrückten Stadt Chelsea-Anhänger und können jubeln.

Was uns als nächstes anzieht ist der Colca – Canyon. Er soll tiefer sein als der Grand Canyon, außerdem locken hier die Condore. Nur der Eintrittspreis von mittlerweile über 20 EUR (!!!) schreckt ein wenig ab, wir wollen versuchen, um die Kontrollstationen drumrum zu kommen. Der Weg nach Chivay am Anfang des Canyons führt uns über den bisher höchsten Pass mit knapp 4900, hier müssen wir uns mal wieder den A***h abfrieren… In Chivay noch schnell den ersten Kontrollposten abgewehrt („wir wissen noch nicht ob wir bis zum Condor – Aussichtspunkt fahren“ – „kein Problem, Ihr könnt auch morgen noch zahlen“) und schon sind wir am Rand des Canyons. Im Abendlicht bieten sich hier schon recht hübsche Ausblicke, aber wir müssen uns beeilen, wenn wir noch den vom Panny abgeguckten Schlafplatz bei Tageslicht erreichen wollen.
Mirador Colca Canyon
Kurz nach Sonnenuntergang schaffen wirs tatsächlich noch. Nachts ist wieder frieren angesagt, dafür werden wir aber am nächsten Morgen mit Sonnenschein und dutzenden Condoren belohnt. Die riesigen Viecher zeigen kaum Scheu und kommen auf wenige Meter heran. Man könnte meinen, dass sie Gefallen an ihrem Model – Dasein gefunden hätten!
Andenkondor
Auf unserem fast ausgestorbenen Aussichtspunkt treffen wir nur noch eine Familie aus Pfullingen, die in ihrem Sprinter seit etwa 4,5 Monaten unterwegs ist. Nur knapp 200m weiter drängen sich hunderte Touris, die mit Bussen herangekarrt wurden, auf dem berühmten Mirador Cruz del Cóndor. Danke Panny für den guten Tipp!


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Wir sitzen noch bis mittags rum, schauen uns die noch sporadisch auftauchenden Vögel – u.a. auch riesige Kolibris – an und erledigen dann die restlichen 15km bis Cabanaconde. Von hier aus soll man schön bis auf den Grund des Canyons wandern können, das wird mal was ganz neues für uns: laufen, und das außerhalb von Städten! Am nächsten Morgen gehts los auf eine 3-tägige Runde.
colca-canyon Ab dem Ortsausgang begleiten uns zwei vierbeinige „local guides“, die uns einfach nicht wieder verlassen wollen. Man merkt deutlich, dass wir nix gewöhnt sind, wir brauchen für die erste Tagesetappe deutlich länger als geplant. Es geht auf schmalen Eselswegen immer wieder steil bergab und bergauf, unterwegs überholt uns ein älterer Einheimischer quasi im Laufschritt… Die meisten Dörfer hier haben noch immer keine Zugangsstraßen und so müssen alle Waren, die nicht selbst hergestellt werden, per Muli her transportiert werden. Auch Strom ist Mangelware, fließend Wasser kommt aus den zahlreichen Bächen, die in den Colca münden. Erst nach Sonnenuntergang treffen wir an unserem ersten Tagesziel Fure ein, wo es sogar ein Hostel mit Abendessen und Frühstück gibt. Sicher die abgelegenste Touri-Metropole Perus! Tags drauf geht es weiter,hoch oben und wunderschön am Hang des Canyons entlang, immer die Sonne im Nacken und unsere neuen Hunde an den Fersen. Nach einem kleinen Mittagssnack an einem Aussichtspunkt beginnen wir den Abstieg nach San Galle. Der Muskelkater macht sich jetzt erst so richtig bemerkbar!!! San Galle ist ein reines Touristendorf, bestehend aus 4 Lodges jeweils mit Pool, direkt am Colca. Lastesel Diesmal sind wir etwas früher dran und gönnen uns noch ein kurzes Bad im Pool um den ärgsten Dreck abzukriegen, warme Duschen gibts nicht. Am nächsten Morgen erwartet uns der härteste Teil der Tour, 1200 Höhenmeter wollen überwunden werden, um zurück nach Cabanaconde zu kommen!Unterwegs kommen uns zig Muli – Karawanen in einem Mordstempo entgegen, dass die Viecher net abstürzen grenzt für mich an ein Wunder! Ich glaube unterwegs immer wieder, dass wir das nie bis oben schaffen, aber irgendwann ists doch soweit. Unglaublich erschöpft schleppen wir uns in unser Hostel und fallen in die Hängematten. Unser Herbergswirt erzählt uns, dass die hiesigen Hunde mit Vorliebe den Touristen auf ihre Wanderungen folgen, vielleicht ist es ihnen im Dorf einfach zu langweilig!

Im Hostel treffen wir noch Giovanni, einem belgischen Motorradfahrer auf einer 200er. Da wir dieselbe Route geplant haben, beschließen wir, gemeinsam nach Cusco zu fahren. Der Weg führt uns über hohe Pässe und an Stauseen vorbei nach Espinar. Hier erwartet uns erstmal eine Hundertschaft mit Knüppeln und Schilden bewaffnete Bereitschaftspolizei: In Espinar sind seit 5 Tagen alle Zufahrtsstraßen blockiert, die Einwohner protestieren damit gegen die Umweltverschmutzung durch die nahe Mine. Wir werden aber glücklicherweise durchgelassen und finden das wohl einzige geöffnete Hostel im Ort. Bei einem  Abendspaziergang durch die Stadt werden wir von Musik angezogen und finden uns plötzlich inmitten einer riesigen Hochzeitsfeier wieder. Kaum drin werden wir alle drei zum tanzen und Bier trinken genötigt und sind offenbar als einzige Gringos eine wahre Attraktion. Immer wieder werden wir „abgeklatscht“ und haben eine neue Flasche Bier in der Hand. Wir haben einen Heidenspaß und sind begeistert von so viel Gastfreundschaft. Nüchtern waren die Peruaner bisher eher, fast unhöflich zurückhaltend, aber da jeder geladene Gast beim Brautpaar sein Geldgeschenk gegen einen Kasten Bier „eingetauscht“ hat ist die Stimmung dementsprechend gelöst. Man stelle sich mal vor, in Deutschland kämen 3 dreckige Motorradfahrer uneingeladen auf die gut durchgeplante Hochzeitsfeier!  Irgendwann verdrücken wir uns aber lieber, bevor das ganze noch ausartet.

Am nächsten Morgen haben wir nicht so viel Glück mit der nächsten Straßensperre, hier dürfen auch Motorradfahrer nicht über die Brücke.
Blockade in Peru
Ein verständnisvoller Demonstrant verrät uns aber einen anderen Weg, ich hatte schon befürchtet, dass wir jetzt durch den nicht ganz flachen Fluss fahren müssen. Eine halbe Stunde später sind wir wieder auf der richtigen Straße und fahren ungehindert gen Cusco. Es geht langsam immer weiter abwärts durch malerische Täler und durch die immer häufiger werdenden Dörfer. Und schließlich sind wir in der Hauptstadt der Inkas und lassen uns auf einem Campingplatz an einem Hang über der Stadt nieder und lassen den Abend bei einem Lagerfeuer mit Ils und Johann, zwei belgischen BMW Fahrern ausklingen.

 

http://www.durch-die-welt.de/index.php/titicaca-see-arequipa-und-colca-canyon/

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