Feb 232012
 

Aus Ushuaia können wir uns garnicht wieder losreissen. Nicht weil es hier so schön wäre, sondern weil wir träge und Müde sind. Uns fehlt ein Ziel. Klar nach Norden, aber keine der Optionen reizt uns. Die Ruta 40 wieder hoch kennen wir schon, brauchen wir nicht nochmal. Die Ruta 3 an der Küste hoch soll auch nicht besonders spannend sein. Öde, viel LKW Verkehr und starker Wind und sonst nix bekommen wir von anderen Reisenden zu hören. Auch nicht besonders reizvoll. In Caleta Olivia ist am Wochenende ein Motorradtreffen der Motoratones und Oscar, den wir in Iguazu kennengelernt haben, hat uns dort auf seine Empanadas eingeladen, also doch die „3“.
In einem Rutsch bringen wir den argentinischen Teil Feuerlands, diesmal auf Teer, hinter uns und finden zwischen den Grenzen im Niemandsland, gerade als wir die Hoffnung schon fast aufgegeben hatten, ein ruhiges, halbwegs windgeschütztes Übernachtungsplätzchen ohne Zäune.

Wechsel Summit

Auf dem weiteren Weg nach Rio Gallegos wollen wir eigentlich noch am Cabo Vírgenes zu einer Pinguinkolonie fahren, finden aber die Strasse, die kurz nach der Grenze in unserer Karte eingezeichnet ist nicht und da es ausserdem gerade zu regnen beginnt fahren wir gleich weiter. Kurz mal an einem Tag in Chile ein und wieder ausgereist und dafür 3 Stunden an der Grenze verbracht. Es lebe die Stempel Bürokratie!

In Rio Gallegos treffen wir auch zum letzten mal auf Melissa und Justin, zwei Radfahrer die uns seit El Chalten immer wieder begegnet sind. Zuletzt in Ushuaia und Rio Gallegos. Offensichtlich sind wir auf unseren Motorrädern ganzschön langsam, aber die letzten Tage konnten sie per Autostop ein wenig mogeln.

Bisher war die Ruta 3 noch nicht besonders schlimm. Wenig Verkehr, kaum Wind und hin und wieder ne Kurve oder n Hügel.  Die nächsten 400km nach Puerto San Julian versprechen laut Karte öde zu werden, aber auch hier wechselt die Landschaft alle Stunde. Wind geht immernoch keiner. Wir finden einen kleinen Camping Municipal direkt am Meer mit recht staubigen, schattigen und windgeschützen Stellplätzen und  einer hammermässig schnellen Gratis Internetverbindung. Von dem Upload träum ich sogar in Deutschland. Wir verzichten auf einen Bootsausflug zu einer Pinguininsel und auch die Loberia (Seelöwenkolonie) lassen wir aus, da wir möglichst schnell die letzten 250 km nach Caleta Olivia hinter uns bringen wollen. Platter Reifen Gestern hat dort das Motorradtreffen begonnen und wir wollen nicht allzuviel verpassen. Schnell noch tanken, aber an der ersten YPF ignoriert uns der Tankwart so lange bis ich entnervt zur Petrobras fahre. Frisch getankt wollen wir weiter, aber mein Hinterreifen ist platt. Halb so schlimm, nebenan ist eine Gomeria (Reifenwerkstatt). Die schicken mich aber direkt weiter, da sie nicht für Motorräder zuständig sind. Immerhin füllen sie mir den Reifen nochmal auf damit ich die 100 m zur Motorrad-Reifenwerkstatt fahren kann. Eine Stunde und 10 Euro später kommen wir dann doch noch los.
Unterwegs lesen wir noch einen Ecuadorianer am Strassenrand auf, der auch gerade dabei ist Südamerika zu umrunden. Allerdings legt er auf seiner 1200 GS bis zu 800 km am Tag zurück und hatte gerade eine halbe Stunde am Strassenrand geschlafen. Motorradtreffen Motoratones
In Caleta Olivia angekommen findet sich kein Hinweis auf ein Motorradtreffen und meine Laune verschlechtert sich, wie auch das Wetter. Die Adresse ist keine richtige aber irgendwann fragen wir uns in die Zona de Chacras durch und schaffen es vor dem Regen unser Zelt aufzubauen. Erst später merke ich dass der Platz neben der Bar und unter der recht hellen Laterne nicht sehr klug gewählt war. Zumindest nicht wenn man nachts schlafen möchte. Geschlafen hat ausser uns auf dem Motorradtreffen aber an den 3 Tagen eh niemand. Die Bar hatte rund um die Uhr geöffnet und auch die Anlage konnte nur hin und wieder durch kurze Elektrikdefekte ruhig gestellt werden. Für unsre 5 Euro Eintritt bekamen wir sogar Hähnchenschmortopf und Asado.

Sonntag ließ der Regen nach so dass wir das Zelt trocken abbauen um zu Oscar umzuziehen, der uns in Iguazu zu sich eingeladen hatte. Mit ca. einem Kilometer also unsre wahrscheinlich kürzeste Tagesetappe. Hier residierten wir für ein paar Tage in seinem „Bunker“, seinem Computer-Küche-Rauch-Musikhör-Schuppen.  Kochten gemeinsam Pollo al Disco, Kässpätzle und lernten wie man richtig Empanadas zubereitet.
Pinguine hatten wir zwar immernoch keine gesehen, dafür hatten wir auf der Herfahrt schon die Lobos riechen können und machten mit Enkel Marcos einen Familienausflug zu dieser Kolonie Mähnenrobben, für die man hier keinen Eintritt zahlen muss und die die Besucher bis auf wenige Meter an sich heranlassen. Lobos
Um uns nicht zu sehr an ein Dach über dem Kopf zu gewöhnen und uns nicht noch länger „aushalten“ zu lassen, flüchteten wir als es Lamm Asado geben sollte. Mein Gabelsimmerring war durch die lange Standzeit undicht geworden und da es in Comodoro Rivadavia einige Motorradläden geben sollte machten wir uns wieder auf den Weg nach Norden. Die Landschaft wurde wüstenartig, und auch die Temperaturen stiegen merklich an.

Beim Yamaha Händler konnten wir auch nach etwas Suchen tatsächlich einen passenden Simmerring auftreiben. Zum stolzen Preis von 25US$. Jetzt brauchten wir nur noch eine Werkstatt, am besten mit Spezialwerkzeug zum Gabel zerlegen. Als erstes fuhren wir aber zur Ventarron Motobar, zu der wir auf dem Motorradtreffen von Conan eingeladen worden waren. Zuerst waren wir die einzigen Gäste, aber bereits nach kurzer Wartezeit kamen Marcelino der Wirt, Conan und Marc, ein hier seit 6 Wochen mit Motorschaden gestrandeter Motorradreisender und wir konnten unser Zelt bei Marcelino im Garten aufstellen und für den nächsten Morgen einen Werkstatttermin vereinbaren. Der Yamaha Händler hätte erst in 3 Wochen Zeit gehabt.

Gegen Mitternacht gab es in der Moto-Bar dann erstmal ein Asado, da Marcelinos Familie gerade von ihrem Urlaub zurückkam. Noch ein Asado später, ein Clubmitglied der Choikes kam gerade aus Machu Picchu zurück, machten wir uns mit reparierter Gabel auf nach Norden.

Auf die Frage was wir für 2 Tage essen und reichlich Getränke in der Bar schuldig wären bekamen wir zur Antwort:“ Ihr seid Motorradreisende und Motorradreisende zahlen hier nicht. Nicht für Essen, nicht für trinken, nicht für übernachten!“
Immerhin ein overcross T-Shirt ziert jetzt die Trophäen Wand der Moto-Bar.

Wir verlassen die Rute 3 und fahren über die 1 auf Schotter zum Cabo dos Bahias, um endlich auch die Pinguine abzuhaken, die auf unsrer Wunschliste noch fehlten. Die Versteinerten Wälder hatten wir links liegen lassen aber hier sollte es auch noch ein paar kleinere geben, die aber leider allesamt hinter verschlossenen Zäunen lagen.
Je näher wir dem Meer kamen umso angenehmer wurden auch die doch recht warmen Wüstenwinde. Kurz hinter Camarones fanden wir dann noch ein verstecktes, windgeschütztes Plätzchen am Strand und am nächsten Morgen überraschte ich doch glatt beim Teetrinken am Strand einen jungen Pinguin der zwischen den Kieselsteinen ein Sonnenbad eingelegt hatte.

Am Cabo Dos Bahías statteten wir dann der Pingüinera einen Besuch ab. Für ein relativ günstiges Eintrittsentgelt hatten wir hier die ganze Pinguinkolonie fast für uns allein, da die meisten Touristen nach Punta Tombo fahren.

Abends erreichen wir Trelew, können aber unseren Kontakt vom Motorradtreffen nicht erreichen, da er gerade selber nach Comodoro unterwegs ist. Müde fahren wir zur Tourist Info um vielleicht doch noch einen Campingplatz zu finden, da spricht uns der Verrückte  „Caballo Loco“ an, der den Dicken „El Gordo“, unseren anderen Bekannten vom Motorradtreffen kennt und anruft. Kurze Zeit später werden wir an der Plaza eingesammelt und zu zwei weiteren Clubmitgliedern der Embrios de Asfalto, Pablo und Melania, verfrachtet wo wir für die Nacht bleiben können. Kaum geduscht geht es auch schon auf eine Doppel Geburtstagsfeier, natürlich mit Asado und Fernet Cola und einigen bekannten Gesichtern vom Motorradtreffen. Am nächsten Tag fahren wir dann mit nach Puerto Madryn an den Strand und schnell wird mir klar, dass es in Patagonien eine komische Idee ist am Sandstrand zu sitzen. Irgendwie geht hier halt doch immer Wind und so waren wir in unserer halbwegs windgeschützen Strand-Box doch recht schnell paniert.

Die kurze Etappe zwischen Trelew und Puerto Madryn war übrigens mit Abstand der langweiligste Teil der Ruta 3 den wir gesehen haben und wir waren froh auf der Rückbank vor uns hinpennen zu können und hofften dass unser hoffentlich wieder halbwegs nüchterne Fahrer nicht einschlafen würde.

 

 

 

  Eine Antwort zu “Ruta 3 – Ein Roadtrip durch Patagonien”

  1. Hallo ihr beiden,
    Da bekommt man richtig Fernweh, wenn man diesen Artikel liest! Ich wollte nur kurz bescheid sagen, dass wir Euch auf dem Reiseblog von HostelBookers Deutschland erwähnt haben: http://blog-de.hostelbookers.com/reise-news/reiseblogs-februar/

    Wünsch Euch noch viel Spaß beim Entdecken und immer weiter so mit Eurem Blog!

    Liebe Grüße aus dem weitentfernten London!

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