Feb 152013
 

Da der Rücktransport den Restwert meines Motorrades deutlich überstiegen hätte und ich auch erhebliche TÜV Probleme bekommen hätte, entschied ich mich schweren Herzens mich von meiner DR zu trennen.

In Südamerika ist es in den meisten Ländern kompliziert bzw völlig unmöglich, ausländische Fahrzeuge legal an Einheimische zu verkaufen. Manche Einheimische hält das aber keinesfalls vom Motorradkauf ab. Ob und wie sie die Fahrzeuge dann zulassen ist ja eigentlich auch ihr Problem. Auf der eigenen Hazienda oder in abgelegenen Bergregionen haben sie sicher auch nur mit wenig Kontrollen zu rechnen.

Der Verkauf an andere Reisende ist dagegen überall problemlos möglich.
Der größte Markt für gebrauchte Reisemotorräder in aller Welt ist im Horizons Forum zu finden.

In Kolumbien läuft die abgeschlossene Versicherung auf das Fahrzeug – die Police kann vom Käufer also gleich mit übernommen werden.
Der Käufer sollte darauf achten, wie lang das Fahrzeug noch im Land verbleiben darf. Beim Verlassen des Landes werden die Zollpapiere einfach an der Grenze abgegeben und dann theoretisch ins Computersystem übertragen. Ob die Zollpapiere offiziell übertragbar sind, bzw nach dem Verkauf auch für den Käufer gelten wird verschieden beantwortet.

Wir haben unsere Importpapiere in den meisten Ländern Südamerikas bei der Ausreise nur kurz abgegeben und wurden dabei selten auf  unsere Namen kontrolliert. In Kolumbien haben die Zöllner allerdings sogar eine Blaupause der Rahmennummer angefertigt.
Bei unserer 5. Einreise nach Chile hat uns die Zöllnerin darauf hingewiesen, dass unsere Motorräder 3mal nicht wieder ausgereist wären, obwohl wir die Formalitäten immer korrekt erledigt hatten und in Brasilien und Venezuela haben wir sogar ganz darauf verzichtet unsere Motorräder beim Zoll anzumelden. Wir haben aber von anderen Reisenden gehört, die unterwegs bei Polizeikontrollen die „Importpapiere“ vorzeigen mussten.  Wir selbst wurden nur nach Fahrzeugscheinen, Führerschein und Versicherung kontrolliert.

Nach dem ersten Grenzübertritt hat der Käufer keine Probleme mehr, da dann das Motorrad ja eh offiziell auf ihn eingetragen ist. Im Zweifelsfall könnten also Käufer und Verkäufer gemeinsam bis zur nächste  Grenze fahren. Der Verkäufer reist mit dem Fahrzeug aus dem einen Land aus, der Käufer in das nächste ein.
Selbst wenn man sein Fahrzeug an einen Einheimischen verkauft, der garnicht beabsichtigt das Land mit dem Fahrzeug wieder zu verlassen, ist das bei der eigenen Ausreise unproblematisch. Zum einen gleichen sich Zoll und andere Grenzbehörden bislang nicht ab, zum anderen darf das Fahrzeug ja auch legal meist noch eine Zeitlang im jeweiligen Land verbleiben. Erst bei der nächsten Einreise könnte es gaaaaanz möglicherweise zu Problemen kommen, was ich aber für unwahrscheinlich erachte, da jeder Grenzer weiß, wie schlampig seine Kollegen arbeiten und das Formular evtl. nur nicht korrekt ins System übertragen wurde.

Ganz wichtig für den Käufer ist allerdings das Nummernschild!  Wer beabsichtigt sein Motorrad nach seiner Reise zu verkaufen, sollte am besten schonmal ein 2. Nummernschild (ohne offizielle Aufkleber) von zu Hause mitbringen oder sein Fahrzeug vor der Reise in Deutschland abmelden. Fahrzeugabmeldung ohne Fahrzeugschein und Nummernschild (Brief vorhanden) sind nicht ganz einfach. Zuerst muss ein Ersatzschein ausgestellt werden und dann eine Verlustmeldung für das Nummernschild geschrieben werden, das dann gleichzeitig in ganz Europa zur Fahndung ausgeschrieben wird!)

Das wichtigste überhaupt sind aber der Kaufvertrag und eine Vollmacht.
Da wir nicht wussten, ob ein Kaufvertrag für die Grenzübertritte des Käufers ausreichen würde, haben wir ihm zusätzlich eine Vollmacht ausgestellt, die es ihm erlaubt „mein“ Motorrad über alle Grenzen hinweg zu bewegen. Zusätzlich haben wir natürlich trotzdem noch einen Kaufvertrag geschlossen, damit er beweisen kann, dass das Motorrad ihm gehört und er es ggf. auch weiterverkaufen kann. An Grenzen sollte er natürlich nicht beide Dokumente vorlegen, da zufolge der Vollmacht das Fahrzeug ja immer noch mir gehören würde.
Damit die Verträge auch offiziell sind, müssen sie von einem Notar beglaubigt werden. Notare gibt es in jeder Stadt und nach kurzem Schlange stehen werden die Verträge für kleines Geld gestempelt.

Eine weitere Möglichkeit zum Grenzübertritt von der wir gehört haben, soll im Nachmachen der Fahrzeugpapiere bestehen. Ein anderer Motorradreisender hat das einmal längs durch Südamerika erfolgreich praktiziert. An Polizeikontrollen haben wir eh höchstens eine Kopie unseres Fahrzeugscheins vorgezeigt und an Grenzen ausschließlich unseren internationalen Fahrzeugschein verwendet. Bei einem unserer internat. Scheine war die letzte Seite bereits fast komplett abgerissen und lediglich mit Tesa angeklebt und auch das hat den Zöllnern immer gereicht!

Vollmacht (Poder.pdf): Download
Kaufvertrag (Contrato Comprar y Venta.pdf): Download

zum Download evtl rechtsklick und „speichern unter“ auswählen

 

Kauf eines Südamerikanischen Motorrades:
Als andere Möglichkeit können sich Reisende auch vor Ort  „einheimische“ Motorräder kaufen. In Südamerika werden allerdings von den Einheimischen hauptsächlich kleine chinesische 125er – 250er gefahren. Die Qualität lässt natürlich zu wünschen übrig, aber fahren tun sie allemal. In Chile verkauft Motoaventura in Osorno regelmäßig gebrauchte BMWs die zuvor im Verleih waren. Die Motorräder sind zwar meist recht neu, aber zum einen taugen die neuen F650 / G650 Modelle nimmer so viel, zum anderen haben sie auch meist schon ganzschön was mitgemacht. In Santiago gibt es auch noch eine Reihe Motorradhändler, die größere Japanische Motorräder gebraucht verkaufen.  Mit chilenischen Motorrädern kann man problemlos mit einer entsprechenden Vollmacht in die Nachbarländer einreisen. Allerdings  angeblich nicht in 3. Länder, auch wenn diese direkt an Chile angrenzen. Der Grenzübertritt Argentinien-Bolivien ist beispielsweise nicht ohne weiteres möglich, der direkt von Chile nach Bolivien dagegen schon.
In Argentinien gekaufte Moppeds müssen erst ein Jahr lang auf ihren Besitzer zugelassen sein, bevor das Land damit verlassen werden darf.
Wir haben auch einen Reisenden getroffen der sein Motorrad in Paraguay gekauft hatte.
Wie die jeweiligen Motorräder dann auf einen Ausländer zugelassen werden können kann ich leider nicht sagen. Möglicherweise ist eine Steuernummer oder Adresse nötig. Alternativ können die Moppeds evtl. auf den Vorbesitzer zugelassen bleiben, der dann einfach eine Vollmacht erteilt.

Interessanter Forumsbeitrag zum Fahrzeugverkauf in Südamerika: Motorradkarawane

Erfahrung des Käufers meines Motorrads der von Kolumbien bis Chile gefahren ist:

I had no trouble at customs in any of the countries except Bolivia where the guy at the border tried to tell me that the PODER should have been notarised at the Bolivian consulate in Colombia. I didn’t believe him. I put 40 dollars on the table next to my papers. He stamped my papers. I picked up my papers, I picked up my 40 dollars and walked out the door!
Leaving Colombia I just gave them your temporary import document and they never even examined the bike.

  2 Antworten zu “Motorradverkauf in Kolumbien”

  1. Tja das ist wirklich schade um die gute DR, aber ich bin mir sicher sie war dir eine gute Begleiterin hehe. Schön, dass Du sie dennoch losgeworden bist und deine Reise fortsetzen konntest. Achja und Respekt für das durchfahren von Kolumbien, man hört ja nicht nur Gutes, ne? 😉

    • für uns war Kolumbien eines der unkomplizierteren Länder. Ausser der erhöhten Militärpräsenz in Grenznähe und an den Brücken der Hauptverkehrsstraßen war es sehr angenehm zu bereisen. Weit mehr unangenehme Geschichten haben wir von der Peruanischen Panamerikana, speziell um Lima herum gehört. Im Peruanischen Hinterland hingegen wo wir unterwegs waren hatten wir keinerlei negativen Erlebnisse.
      Die DR is vermutlich nochmal nach Feuerland runtergefahren, die letzte Positionsmeldung kam aus Santiago. Die Vollmachten haben an jeder Grenze funktioniert, nur einmal gab es eine Diskussion.
      Der Käufer schrieb mir: I had no trouble at customs in any of the countries except Bolivia where the guy at the border tried to tell me that the PODER should have been notarised at the Bolivian consulate in Colombia. I didn’t believe him. I put 40 dollars on the table next to my papers. He stamped my papers. I picked up my papers, I picked up my 40 dollars and walked out the door!

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