Jun 132012
 

Nach einigen sehr erholsamen  Sonnen-Tagen auf der Campingwiese in Cusco raffen wir uns doch noch zu einem Stadtbummel auf. Mein seit dem Colca Canyon schmerzendes Knie ist zwar alles andere als erfreut aber es hilft ja nix. Cusco is ganz nett, ein halber Tag reicht uns Kulturbanausen aber völlig. Für den Abend sind wir noch im Norton`s Rat, einem Motorrad Pub an der Plaza mit Bruno verabredet, der für overcross in Peru Motorradreisen durchführt. Nach einem ausführlichem Kneipenbummel von Happy Hour zu Happy Hour vertagen wir unsere für den nächsten Morgen geplante Abfahrt noch einmal und grillen uns am abendlichen Lagerfeuer dafür lieber nochmal ein geniales Stück Bife.
Puca Pucara Ollantaytambo Wir haben lange überlegt ob wir uns Machu Picchu wirklich antun sollen, aber da die Selbstfahr Variante über Santa Maria und Santa Teresa schonmal die teure Zugfahrt erspart, wollen wir es hinten rum versuchen.

Wir kommen mal wieder erst gegen Mittag los. Auf dem Weg ins Heilige Tal kommen wir noch an einigen Inka Ruinen vorbei. In Tambomachay, einem Inka Wasser Heiligtum machen wir kurz Stop, verzichten aber dann doch auf eine Besichtigung, da ein Eintritt nur mit dem teuren Cusco-Tourist-Ticket möglich ist.  Im extrem touristischen Ollantaytambo, dem Startpunkt der Zugstrecke nach Aguas Calientes finden wir ein günstiges Zimmer für die Nacht, aber nur mit Mühe auch ein bezahlbares Abendessen. Schon etwas paradox: Die Übernachtung kostet in etwa so viel wie zwei Tassen Cappucchino auf der Plaza de Armas.
Am nächsten Tag erwartet uns dann dafür eine der schönsten Motorradstrecken unserer bisherigen Reise.

Abra Malaga

Der Abra Malaga ist frisch geteert und windet sich in unzähligen gut zu fahrenden Kurven und Kehren von 2800m bis auf über 4300m in die Höhe. Sogar Suse, die bergauf normalerweise etwas verhaltener unterwegs ist, verfällt in einen regelrechten Fahr-Rausch und klebt mir am Hinterrad. Kurz vor der Passhöhe beginnen dann exakt beim Schild „Zona de Neblina“ die Wolken und es ist auch bitter kalt, aber wenige Kurven und Höhenmeter später tauchen wir wieder hinab in das nächste tropische Tal.

Ab Santa Maria ist dann Schluß mit Teer. Holprig geht es  auf einer schmalen Piste weiter nach Santa Teresa. Ähnlich wie auf der Straße des Todes klebt die Piste regelrecht an der Felswand. Links der Abgrund, von rechts immer wieder Erdrutsche und enge Kurven hinter denen hin und wieder Gegenverkehr lauert. Immer schön hupen! Es ist nicht mehr all zu weit aber einige Wasserdurchfahrten halten uns auf und so erreichen wir unseren Campingplatz „Cola de Mono“ erst kurz vor Dämmerung und bis wir nach unserem wohlverdienten Begrüßungsbier unser Zelt aufstellen ist es stockfinstere Nacht.

Camping im Urwald

Der Cola de Mono ist nur nebenher ein Campingplatz für Motorradreisende. Hauptsächlich gibt es hier eine große Canopy (Flying Fox / Zipline) Anlage.
Am nächsten Tag sollten wir dann eigentlich bei einer Gruppe im Bus bis nach Hidro Electrico mitfahren können. Leider vergessen sie uns aber Bescheid zu sagen und so fährt der Bus ohne uns woraufhin wir ein Taxi für die 10 km spendiert bekommen. Ab dem Kraftwerk laufen wir für knapp 10 km immer entlang den Gleisen nach Aguas Calientes. Hier gibt es die vermutlich höchste Pizzerien-Dichte weltweit und wir entscheiden uns gekonnt für die falsche, aber der Hunger treibts nei und der Geiz b’hälts drin, wie „der Schwabe“ so schön sagt. Abgesehn davon wollen sie uns bei der Rechnung noch abzocken und schlagen 20% Local Tax drauf. Das wär hier so üblich bekommen wir auf Nachfrage zur Antwort!! Verlangen können sie ja was sie wollen, aber zahlen müssen wir das deswegen noch lange nicht!

Am nächsten Morgen lassen wir uns um 6 Uhr wecken und nehmen einen der sauteuren Busse hinauf nach Machu Picchu, aber mit meinem lädierten Knie kann ich weder bergauf noch bergab laufen. Zuerst gehen wir zum obligatorischen  Aussichtspunkt um pünktlich  zum Sonnenaufgang „das“ Foto von der Stadt zu machen und entfliehen dann dem Trubel und wandern erstmal gemütlich zur Puente del Inca bevor wir es uns, bei einer phänomenalen Aussicht, auf einer der Grasterrassen  gemütlich machen und genüsslich unser Frühstück picknicken.

Dann stürzen wir uns ins Gewühl und drängen uns auf dem schlecht ausgeschilderten Rundweg durch die Ruinen. Trotz des horrenden Eintrittspreises haben es die Peruaner nicht nötig, am Eingang wenigstens einen Übersichts-Plan zu verteilen und so behelfen wir uns mit der Beschreibung in unserem Reiseführer. Kurzzeitig folgen wir einer deutschen Touri Gruppe aber deren Guide hat reichlich Phantasie und erzählt immer ausschweifend seine Meinung, die meist im Gegensatz zu wissenschaftlichen Erkenntnissen steht, wie er selbst betont.  Da wir noch einen langen Rückweg vor uns haben fahren wir bereits kurz nach Mittag wieder runter und lassen uns an der Brücke rausschmeissen. Dass ich mein Käppi im Bus liegen lasse steigert meine Laune auch nicht unbedingt. Wir haben aber Glück und sind nur kurz nach dem letzten Zug in Hidro, so dass wir ein Taxi finden, das uns für ein paar Soles mit zurück zu unserem Campingplatz nimmt.

Fazit:
Machu Pichu muss man meiner Meinung nach nicht gesehen haben. Es gibt in der Gegend um Cusco zahlreiche andere Ruinen die schon im Vorbeifahren, zumindest was die ineinander gefügten Steine betrifft, mehr hergemacht haben. Das schönste an Machu Picchu is der Blick von oberhalb, aber das allein ist den Eintritt bei weitem ned Wert.
Der Weg nach Santa Maria über den Abra Malaga ist aber für Motorradfahrer auf jeden Fall ein Muss und neben dem Capovalle am Lago d’Idro jetzt mein zweiter Lieblingspass!

  3 Antworten zu “Machu Picchu. Top oder Flop?”

  1. Hallo zusammen,
    ab August 2015 möchte ich von Michigan USA über Mexiko …..Panama, Columbien ….Chile, Argentinien bis nach Feuerland runter mit dem Motorrad fahren. Es tut gut von Leuten zu hören die in dieser Gegend auch unterwegs waren, was mir allerdings auffällt ist, dass die meisten von Venezuela her die Tour starten oder beenden. Ich hab für den Trip 10 Monate eingeplant, fahr seit langem Motorrad, war aber nie länger als 5 Wochen unterwegs. Würde mich freuen wenn ihr mal was hören lassen würdet.
    Schöne Grüße Werner

    • Hallo Werner
      Wir haben gar keine Leute getroffen die ihre Reise in Venezuela begonnen oder beendet haben. Ein paar wenige sind in Kolumbien gestartet und weitaus am beliebtesten scheint Chile zu sein. Hängt vermutlich auch stark an den Transportgebühren und an der Jahreszeit. Wir haben einige Verrückte, hauptsächlich Brasilianer getroffen, die in 6 Wochen von Sao Paolo nach Ushuaia und zurück gefahren sind und auch ein paar wenige „Gringos“ die in einem halbem Jahr oder kürzer die Panamerikana befahren haben. WIr haben ein Jahr für „nur“ Südamerika gehabt und das war bei Weitem zu kurz. Die 40.000 Km waren in der Zeit zwar gut zu bewältigen, aber viele Pausen blieben so nicht. Klar kann man die Strecke auch in 6 WOchen fahren, aber dann sieht man von früh bis spät nur Teer vor sich und gerade die kleinen abgelegenen Schotterstraßen führen durch die schönste Landschaft und da sind oft 100km pro Tag nicht ansatzweise machbar.
      Überleg dir mal wie viele Kilometer du normal in deinen Motorradurlauben pro Tag gefahren bist und Plan mindestens einen „Ruhetag“ pro Woche ein.
      Für deine Strecke würd ich mind. 2 Jahre einplanen. Allein für Mexiko sind 4-6 Monate nicht übertrieben und dann mind 4 Wochen pro Land. Nur durchfahren bringt ja nix.

    • Hallo Werner,
      seit Mitte Januar 2015 bin ich auch unterwegs, allerdings von Süd (Ushuaia) nach Nord (Alaska). Gestartet bin ich (wie so viele andere) in Valaparaiso/Chile über die „Villa Kunterbunt“, die auch die Transportabwicklung übernimmt. Ich habe bei meinen Vorbereitungen von niemanden gehört, der aufgrund der Sicherheitslage in Venezuela war oder gestartet ist. Es handelt sich bestimmt eine Verwechslung!? Wenn Fragen auftauchen, bitte mailen … Peter

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