Mrz 262012
 

Nach dem doch irgendwann recht kaltem Pass geniessen wir die Strahlen der Morgensonne, allerdings nur kurz. Hier in der Savannenähnlichen Pampa gibt die gelbe Sau bald wieder alles und brennt uns unbarmherzig auf die Moppedklamotten.
Die Quebrada de Jachal überrascht uns in der sonst wieder eintönigeren Landschaft mit einer tollen Aussicht.  Weiter nach Norden, wieder entlang der Ruta 40 müssen wir zahllose Badenes durchqueren. So heissen hier die Senken auf der Straße, die anstatt von Brücken über die meist trockenen Wasserläufe gebaut werden. Da es in letzter Zeit hier viel geregnet hat sind viele dieser Badenes dick mit feinem Kies, Schotter und auch Sand gefüllt und bald verliere ich Suse aus dem Rückspiegel. Dann werden aus den Trockenflüssen plötzlich echte, schlammige Bäche die durchfahren werden wollen. Pisswarm läuft uns die Brühe in die Stiefel und da die Strömung in dem brauen Wasser besonder gut sichtbar ist lasse ich mich irritieren und muss konzentriert ans andere Ufer schauen um geradeaus zu fahren.

Schlammige Flussdurchfahrt

In Villa Union, wo wir eigentlich nur nach der Sieste kurz tanken und frisches Wasser kaufen wollen treffen wir Katharina und Reto am Strassenrand. Die beiden haben sich in Chile gebrauchte Transalps gekauft und sind jetzt auch schon seit einigen Monaten in Argentinien und Chile unterwegs. Sie wollen am nächsten Tag ins Valle de la Luna (Ischigualasto). Wir verzichten auf den Ausflug. Uns ist es in der Wüste hier eh schon viel zu warm, mit den Motorrädern dürfen wir den Park nicht befahren und für eine teure Jeeptour fehlt uns bei der Hitze die hier bereits kurz nach Sonnenaufgang herrscht die Lust.

Cuesta de Miranda In der Cuesta de Miranda, einer hübschen Canyonlandschaft bekommen wir bei unserer Mittagspause im Schatten einer Palme Gesellschaft von Tom und Tom, die sich in Chile G650 gekauft haben und von einer Panne zur nächsten fahren. Auf der mittlerweile geteerten Ruta 40 fahren wir weiter durch die Gluthitze des späten Nachmittags. Nirgends finden wir einen geeigneten Zeltplatz und auch kurz vor Sonnenuntergang ist es schier noch zu heiß um stehenzubleiben. Wir fahren immer weiter, um wenigstens etwas Kühlung durch den Fahrtwind zu haben. In der Dornbuschsavanne könnten wir uns jederzeit in die Büsche schlagen, aber so recht gefällt es uns nirgends so recht und wir haben Angst um unsre Reifen und Luftmatratzen und so fahren wir immer weiter. Erst als die Sonne um kurz vor acht untergeht und die hier schon recht kurze Dämmerung beginnt  beschert uns die Virgen del Valle ein Abbruchhaus hinter Büschen mit einem richtigem Baum der wenigstens etwas Morgenschatten verheisst.  Als ich mich gerade auf eine aus Steinbrocken und Zaunpfosten bestehende Bank gesetzt habe fahre ich erschrocken hoch. Vogelspinne Wenige Zentimeter neben mir sitzt plötzlich eine riesige Vogelspinne die ich aus ihrem Versteck zwischen den Balken hervorgetrieben habe. Spinnen mag ich eh nicht besonders aber so ein riesiges Exemplar hab ich noch nie gesehen.   Als Suse mir den Foto reicht und sieht warum ich danach gerufen habe wird sie bleich und bleibt erschrocken wie angewurzelt stehen. Am liebsten würde sie sofort weiterfahren aber andererseits sind wir froh endlich ein Plätzchen gefunden zu haben. Da das Vieh sich nicht vertreiben lässt aber trotz aller Provokation friedlich bleibt schließen wir Frieden mit dem Monster. Wer weiß was uns woanders erwarten würde.

Die Piste zwischen Belen und Andalgala ist nicht ganz so steinig wie versprochen und Suse hat bald wieder keine rechte Lust mehr an den zahllosen kleinen sandigen Gemeinheiten die ihr da wieder vorgesetzt werden. Eigentlich alles völlig unproblematisch, aber sie hat nun mal beschlossen das Zeug zu hassen und dabei bleibt sie hartnäckig, auch wenn sie überall problemlos durchkommt. Da sie aber nicht riskieren möchte eine weiche Stelle zu übersehen und aus Versehen mit der richtigen Geschwindigkeit durchzufahren noch bevor sie  merkt was eigentlich los ist, fährt sie lieber gemütlich und fürchtet sich vor jeder Kurve oder Senke. Bei der Hitze kann ich mich nicht überwinden so langsam zu fahren, ich brauche den Fahrtwind. Hin und wieder finde ich spärlichen Schatten wo ich warten kann.  Nach einer kalten Cola in Andalgala werden wir schnell wieder wach. Ein toller Pass schlängelt sich aus dem Kaktusland in vielen Kurven in die Höhe. Ein toller Ausblick jagt den nächsten und diesmal hängt Suse mich ab, da ich ständig zum Knipsen stehen bleiben muss.

In der angenehmeren Höhe werden wir wieder wach und freuen uns als vor Alpachiri der nächste Pass wieder ins nächste Tal führt.   Serpentinen Die Landschaft hat sich auf wenigen Kilometern drastisch verändert. Nach der grünen Hochebene sind wir plötzlich in den Yungas, wie die dschungelartigen Urwälder hier heißen. Es wird etwas schwüler, ist aber längst nicht mehr so unerträglich heiß. Einige alte Lastwägen kommen uns entgegen oder wollen überholt werden.Auf dem schmalen Weg nicht immer ganz einfach. Grüne Bäume rechts und steile Abbrüche links, dazu noch ein paar LKWs – so ähnlich muss die Straße des Todes in Bolivien sein.
Für die Nacht finden wir eine Art Gruppen-Campingplatz. Der Gärtner ist geschäftstüchtig und lässt uns hier übernachten, aktiviert die Wasserversorgung am Fluss und findet noch etwas trockenes Holz um die Dusche sogar mit warmen Wasser zu versorgen.Wir sind mal wieder sehr zufrieden und die Dusche steigert nach diesem heißen und extrem abwechslungsreichen Tag unser Wohlbefinden ins unermessliche.

Ich muss dringend mal wieder mein Tagebuch aktualisieren. Dschnungelcamp An den meisten Tagen passiert so viel dass ich mich Abends schon manchmal nichtmehr an den ganzen Tag erinnern kann und oft nicht glauben kann, daß das alles an nur einem Tag passiert sein soll.
Ein neuer Tag, ein neuer Pass, die nächste Überraschung. Die Straße durchs Gebirge nach Tafi del Valle ist bis auf ein paar Schlaglöcher gut geteert und die grünen Bäume verströmen eine angenehme Kühle. Auf der Straße fahren kann ja auch Spass machen, fällt mir da schnell wieder ein. Kurz vor dem Hochtal um Tafi ändert sich die Landschaft. Die Yungas gehen in Grasland über, Erinnerungen an Kirgistan werden wach und nach einem Besuch im „Menhir Museum“ in Mollar fahren wir für unsere Mittagspause noch weiter rauf ins Gebirge. Bis ich aus dem Touri Kaff rausgefunden habe, bin ich, da es mir schon wieder zu warm wird UND ich Hunger habe, schon wieder ziemlich gereizt, aber bald finden wir einen schattigen Platz an einem Bach und nach der Brotzeit ist die Welt wieder in Ordnung.Nach Tafi nimmt der Ausflugs-Verkehr schlagartig ab. Nur wenige wollen den „Pass der kleinen Hölle“ überqueren. Die Moppeds haben trotz der Höhe noch genügend Leistung und das Motorradfahren macht bei den langgezogenen Kurven wieder mal so richtig Spass.
Als wir in Amaicha del Valle frisch getankt vor dem Pachamama Museum stehen zögern wir erst eine Weile. 20 Pesos, ca 3,50 € geben wir sonst für eine Übernachtung aus. Im Museum findet sich von der versprochen Pachamama allerdings nur wenig. Geologie und Frühgeschichte sind die Schwerpunkte und moderne Indianische Kunst. Die Bilder und modernen Bild-Teppiche  gefallen mir besser als das eigentliche Museum. Was allerdings sehenswert ist, ist der Museumskomplex an sich!
Auf der Suche auf einem Laden, der seine Siesta noch vor Einbruch der Nacht beendet hat treffen wir Kathi und Reto wieder. Die beiden wollen noch nach Cafayate,  wir bleiben lieber auf dem Campingplatz direkt hinter dem Museum.  Ruinen der Quilmes
Da die Wetterprognose nicht allzu rosig ist entscheiden wir uns ohne weitere Umwege direkt nach Salta weiterzufahren.Nach einem Besuch bei den Ruinen der Quilmes Indianer, die den Spaniern fast 130 Jahre widerstanden haben verpasse ich in der Weingegend um Cafayate rechtzeitig bei einer Bodega zu stoppen. Kaum aus dem Ort raus gibt es nur noch Sand und Steine. Naja, die Wolken werden eh immer dichter und wir wollen noch trocken nach Salta kommen. Die Quebrada de la Conchas bremst uns allerdings wieder aus. Ständig muss ich stoppen um Fotos zu machen. Der Farbenvielfalt kann ich einfach nicht widerstehen.
Die weitere Strecke bis Salta zieht sich in die Länge und als wir bereits beim 3. Hostal erfolgreich sind und unsere Motorräder durch die enge Eingangstür in den Patio manövrieren ist die Sonne bereits untergegangen. Von der Hitze der Stadt erschöpft sitzen wir bei unserem wohlverdienten Radler und freuen uns auf die Dusche.

  Eine Antwort zu “Kakteen und Yungas”

  1. Valle de la Luna is sehr wohl mit Moped moeglich, ausser das wurde in den letzten paar Monaten geaendert. Ich hab das im Juli letzten Jahres gemacht und es hat 80 Pesos gekostet, also auch nicht wirklich teuer. Und die Strecke is absolut geil fuer eine Enduro! (30km mit der geilsten Landschaft).

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