Mai 122012
 

Nach den kalten Nächten in La Paz sehnen wir uns nach etwas Wärme. Als wir das Getümmel der Stadt hinter uns gelassen und sogar eine Tankstelle mit Sprit gefunden haben liegt nur noch der La Cumbre Pass zwischen uns und dem Bolivianischen Tiefland und dem Amazonas Becken. Trotz herrlichstem Sonnenschein wird es in der Höhe empfindlich kalt und kaum haben wir den Pass überquert befinden wir uns inmitten der Wolken, die hier an der feuchten Andenostseite kondensieren. Je weiter wir nach unten kommen umso nässer wird es. Dummerweise verzichte ich auf die Regenklamotten und so bin ich bei der stark erhöhten Luftfeuchtigkeit bald völlig durchnässt. Von Heidi und Bernd, die uns entgegenkommen, erfahren wir, daß sich das Wetter bis Coroico nicht wesentlich bessert und so verzichten wir bei nasser Straße, einer Sicht von nur wenigen Metern und beschlagenen Brillen auf die alte Yungas Road, die besser als „Strasse des Todes“ bekannt ist und nehmen die neue, gut asphaltierte Umgehungsstraße, die nicht weniger spektakulär ins Tal führt, wo der Regen nachlässt und wir unter den Wolken bald wieder trocknen.

Coroico

Im für diese Jahreszeit ungewöhnlich kalten Coroico erholen wir uns zwei Tage bei Spätzle und Bananen-Papaya-Milchshakes und organisieren unsere Weiterfahrt nach Rurrenabaque.

Kässpätzle in Bolivien Spätzle mit Soß'

Von Norbert und Ute haben wir erfahren, dass die Tiefland Pisten durch Schlamm und Baustellen für Motorradfahrer unpassierbar sein sollen und auch den Tip bekommen, dass man von Coroico aus in drei Tagen mit dem Boot nach Rurre fahren könne. Das nächste Boot geht allerdings erst in 6 Tagen aber wir finden schnell eine reizvolle Alternative. Eine 5 Tages Floßfahrt durch den Dschungel. Wir können die Motorräder im Hostel lassen und Mittwoch Mittag geht es dann los. Die Fahrt nach Guanay, dem Startpunkt der Raftingtour soll vier Stunden dauern.

aktiver Teil der Todesstraße

Als wir nach 7 gruseligen Stunden auf den schmalen Gebirgspisten endlich ankommen ist es schon dunkel und wir schlagen die Zelte auf einer Sandbank zwischen Mülldeponie und Schweineställen auf.  Nach der rumpeligen Fahrt nahe am Abgrund mit zahlreichen schwindelerregenden Ausweichmanövern  sind alle erschöpft und nur wenige sitzen länger am Lagerfeuer.

Früh am nächsten Morgen gibt es Frühstück, doch dann passiert erstmal lange nichts. Die örtlichen Guides, die das Floß steuern, haben ohne Wissen des Veranstalters noch zwei weitere Passagiere rekrutiert um ihre Kasse etwas zusätzlich zu füllen und dafür das Floß etwas größer gebaut. Nach einigen Stunden der Diskussion und dem Versuch ein anders Floß aufzutreiben fahren wir letztendlich doch alle gemeinsam los. Bis das Floß bepackt ist vergeht allerdings noch einige Zeit und so starten wir gegen halb drei mit knapp einem Tag Verspätung!
Bolivianisches Rafting Floß

Um diese Verspätung wieder hereinzuholen müssen wir die nächsten Tage bereits vor Sonnenaufgang aufstehen, auf einige der geplanten Ausflüge und Aktivitäten verzichten und dafür bis Sonnenuntergang auf dem recht unbequemen Floß sitzen, das tief im Wasser liegt. Unsere Füße stehen fast permanent im Wasser und bei leichten Stromschnellen bekommen wir auch regelmässig nasse Hintern, was bei der Hitze auf dem Fluss allerdings auch oft recht angenehm ist. Abends zelten wir meist auf Sandbänken direkt am Flußufer und schaffen es auch immer genügend Holz für ein Lagerfeuer zu finden. Ein Wermutstropfen sind allerdings die zahlreichen Sandfliegen, die jeden Tag mehr werden, sogar durch das Mosquitonetz der Zelte krabbeln und uns tagsüber dazu zwingen in langen Klamotten in der prallen Sonne auf dem Floß zu sitzen. Schwimmwesten haben wir für die 10 Passagiere, den Koch, den Guide und unsere zwei Ruderer gerade mal 7 Stück am Bord. Da wir nur einmal beinahe Kentern nutzen wir die Westen jedoch hauptsächlich als Sitzunterlagen und um uns neben dem Floß den schlammbraunen Fluss hinunter treiben zu lassen und uns so abzukühlen,

Fotoshow:

Die ersten Tage sehen wir am Flußufer jede Menge Goldsucher, die angefangen bei Goldwaschpfannen, über kleine mobile Sauger bis hin zum Baggern alles nutzen um Lärm zu machen.
Wir unternehmen eine kleine Nachtwanderung, in aller Früh einen Badeausflug zu einem Wasserfall und eine kleine Wanderung durch eine Kakao, Bananen und Papaya Plantage. Ausser ein paar Schmetterlingen, Raupen und Fröschen sehen wir leider nicht viele Tiere und auch die Dschungelgeräusche sind, bis auf die allmorgendlichen Brüllaffen weniger spektakulär als das Grillengezirpe am Mittelmeer. Einmal flüchten zwei Capibaras durch das Unterholz als sie unser Floß erspähen und an unserem letzten Übernachtungsplatz finden wir Jaguarspuren im nassen Sand.

Da wir trotz aller Bemühungen unseres Tour-Guides „Ivan“ die verlorene Zeit nicht wieder aufholen können chartern wir uns am letzten Tag, kurz vor Sonnenuntergang ein Fischer-Kanu das uns die letzten 2 Stunden bei völliger Dunkelheit nach Rurrenabaque fährt.

Unsere Guides und Suses Rucksack, der bei der Umladerei an Bord geblieben war finden auch noch ein Boot das sie abschleppt und gemeinsam lassen wir den Abend bei Pizza, Bier und Cocktails ausklingen.

 

Wer also ein richtiges Abenteuer sucht, wobei die Busfahrt hin um einiges aufregender war als die 4 Tage auf dem Fluss, und wer sich von einer schiefgelaufenen Tour nicht abschrecken lässt, der kann diese Tour bei Deep-Rainforest selbst buchen.

Eine weitere kurze Beschreibung der Tour findet ihr auf dem Overcross-Blog

 

  Eine Antwort zu “Dschungel und andere Katastrophen”

  1. Sehr geiles Video. Hat mir echt gefallen! Da bekommt man einen sehr guten Eindruck der Bootstour ;). Cool dass ihr immer noch so viel interessante Eindrücke sammeln könnt!

    Gruß aus Stuttgart!

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