Sep 092011
 

Keine drei Wochen bis zu unserem Flug.  Noch 2 Wochen bis zum Auszug. Noch 3 Arbeitstage.

Jetzt geht’s los. Es gibt kein Zurück mehr. Unsere Motorräder sind bereits unterwegs nach Südamerika. Gemeinsam werden wir diesen, uns unbekannte Kontinent in den nächsten 12 Monaten erkunden. Den Alltag in Deutschland hinter uns lassen. Unser  grösstes Abenteuer erleben.
Die ersten Zweifel plagen uns. Haben wir alles dabei? Ist der Daunenschlafsack nicht doch etwas zu warm? Für die Tropen und Wüsten sicherlich, aber da sind dann ja auch die eisigen Höhen des Altinplano.
Ist unser Expeditionszelt im Alltag zu unpraktisch? Für Patagonien soll es aber auch allen Stürmen wiederstehen.
Werden die Motorräder durchhalten? Mein Vergaser läuft  immernoch zu mager.
Bekommen wir die Motorräder aus dem Hafen? Die berüchtigte Zollabfertigung in Buenos Aires  und gierige Polizisten erwarten uns.
Aber dann ist da wieder die Vorfreuden auf ein Jahr voller Freiheit, Ungebundenheit, ohne Termine und verschiedenste, spektakuläre Landschaften.

Früher war das Reisen irgendwie noch nicht so kompliziert. In 15 Minuten Schlafsack und Isomatte in die Packrolle gestopft und auf nach Italien. Regnen wirds schon ned und falls doch wird der Biwaksack reichen.
Dann ging’s zum ersten mal nach Afrika und in die Wüste. Zuerst noch unbekannt und spannend verlor die Sahara nach der Fahrt nach Dakar, durch die vielen überwinternden Rentner mit Ihren riesigen Reisemobilen,  etwas an Abenteuer.

Früher ganz ohne Zelt, jetzt die Bedenken obs komfortabel genug ist? Werd ich alt? Das kann nicht sein. Erst letzte Woche hat mich Bernd Tesch angerufen, der auch eine Südamerika Reise plant. Er fühlt sich  mit seinen 70 Jahren auch noch nicht zu alt für solche Reisen.

Auf einer Motorradreise muss man sich Einschränken. Egal ob für eine Woche oder ein Jahr. Mehr Platz für Gepäck ist nicht.  Aber ist das wirklich eine Einschränkung?
Sobald ich in der freien Natur mein Zelt aufgeschlagen hab, das Panorama genieße und Feuerholz sammle, fehlt mir nichts weiter. Ich bin zufrieden. Telefon, Internet, Fernseher, Stereoanlage – nichts fehlt mir. Solange ich in Deutschland bin, kann ich nicht ohne. Die Glotze läuft ununterbrochen und parallel dazu lockt der Rechner und das Webs mit seinen süchtig machenden virtuellen Welten, den Chats und Social Networks. Jede Facebook Statusmeldung wird im monotonen Alltagsgedämmere  zur interessannten Abwechslung.

Absurd. Ich muss hier raus.
Unterwegs brauche ich das alles nicht.
Ein trockener, geschützter Platz zum Schlafen, Essen und Trinken und  ein Feuer – schon ist alles perfekt und ich bin  zufrieden.

So – genug geträumt! Raus aus dem Bett. Heut hab ich frei. Also erstmal auf die Couch und vor der Glotze weitergepennt. Danach an den PC, Facebook checken und dann bissl am Blog schreiben…

 

Aber das schlimmste kommt zum Schluss:
Erstmals nehme ich ein Netbook mit auf eine Motorradreise, aber zur Navigation, dem Speichern von Fotos und Filmen und dem Kontakt mit Familie und Freunden, über email und diesen Blog ist das wahrscheinlich die beste Lösung.

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