Jul 052012
 

Nachdem wir gestern Abend nach der letzten hässlichen Stadt, in der wir nicht übernachten wollten zwar noch ein traumhaft schönes Tal aber keinen Pennplatz finden konnten, haben wir unser Zelt in der Ecke eines abseits gelegenen Fußballplatzes aufgestellt. Wir wachen morgens recht früh auf und die Temperaturen sind ausnahmsweise angenehm. Die auf dem Fussballplatz lebenden Strassenköter haben nachts bedrohlich geknurrt, gebellt und das Zelt angepisst. Kurz nach dem Kaffee kommen zwei Pferde gefolgt von einem Lehrer mit seiner Schulklasse, um den Platz vom Müll zu säubern, da morgen ein Spiel stattfinden soll.

Die Schüler sind natürlich an uns, dem Zelt und den Motorrädern mehr interessiert als am Müll sammeln. Wir bauen schnell ab und machen uns um kurz vor 9 bereits aus dem Staub. Die schmale, einspurige Teerstraße weiter den Berg hoch ist toll zu fahren. Leider is bissl mehr Verkehr als uns lieb ist.  Irgendwann wird die Straße schlechter, dafür breiter und es  kommen uns keine Autos mehr entgegen. Nach dem Pass kaufe ich ein großes Stück Käse und wir frühstücken mit Blick auf die schneebedeckten Gipfel der Cordillera Blanca in der Ferne. In La Union finden wir nix, das uns gefällt zum Mittagessen und fahren nach einem Glas sauren Orangensaft hungrig weiter. Ein paar Käffer weiter finden wir dann Brot und Kuchen bei einem Bäcker. Weiter den Pass hoch verschandelt plötzlich eine große Mine das Panorama. Ganz oben auf der Passhöhe biegen wir von der guten Teerstraße in den Nationalpark, auf einen kleinen holprigen Drecksweg ab. Sind auf knapp 5000m, es ist bitter kalt, wolkenverhangen, und beim Knipsen des grandioses Panoramas frieren mir fast die Finger ab. Die eh schon gigantische peruanische Landschaft beeindruckt mich hier oben nochmal ganz besonders aber da ein Gewitter aufzieht schaun wir, daß wir schnell von der Höhe runterkommen.


Panorama Cordilliera Blanca: mit geklickter Maus schwenken.

Wir sind aber erstens nicht schnell genug, zweitens geht der Weg in Richtung der schwarzen Front und schon sind wir im schönsten Graupel- Schneeschauer.
Auf den Weiden stehen hier in der Cordillera Blanca statt der Lamas plötzlich Kühe und hin und wieder sehen wir primitive Grashütten in denen Hirten hier oben bei diesen unwirtlichen Bedingungen leben müssen. Wir kommen noch an einer Wand mit
Felszeichnungen vorbei, damit wäre auch der Kultur Genüge getan. Die eigentliche Touristenattraktion in diesem Tal sind allerdings die Puca Raimundii. Dieses bromelienartige Ananas Agavengewächs bekommt bis zu 6 m Hohe Blütenstände, ist aber leider schon verblüht.

Am Ausgang des Nationalparks dann eine ärgerliche Überraschung: Wir müssen 5 Soles Eintritt zahlen. Das ist zwar ned viel, aber bei der Einfahrt in den Park gab es keinen Hinweis darauf.  Wenn wir wie geplant im Park übernachtet hätten wären es sogar 65 Sol für die Wochenkarte gewesen! Zu allem Überfluß fängt es wieder an zu regnen. Der Schnee zuvor war wenigstens ned nass und da meine Motorrad Klamotten keine 3 Minuten mehr wasserdicht sind zwängen wir uns angepisst und schlecht gelaunt in uns in unsere Regenklamotten.

Das Tal weitet sich und geht in Grasland über. Es gibt keine sichtgeschützten Zeltmöglichkeiten mehr. Suse hat Lust auf ne heiße Dusche, also Hostal . Im Tal ist die Hauptstraße zwar wieder gut und geteert, aber es kommen keine Hostals obwohl wir uns inmitten einer Touri Gegend befinden. Wir finden nur eins mit ekliger Gemeinschaftsdusche und fahren lieber weiter. Es dämmert bereits als wir zum Eco Tourist Dorf Olleros rauffahren, finden dort aber auch keine Unterkunft. Die Schotterserpentinen wieder runter ist es bereits stockfinster. Noch 20km nach Huaraz aber wir haben keine andere Wahl. Nachtfahrten konnten wir bislang vermeiden und bei dem wieder beginnenden Regen und dem blendenden Gegenverkehr fahren wir bessere Schrittgeschwindigkeit. Endlich in Huaraz brauchen wir 4 Anläufe bis wir ein bezahlbares Hostal finden. Die Tür ist zu schmal und mit 2 hohen Stufen aber der Wirt zeigt uns Beweisbilder daß bereits andere Motorradfahrer durchgepasst haben. Auf den Fotos sind Heidi und Bernd auf ihren KTMs die wir nur um wenige Tage verpasst haben. Mit abgebauter Kiste und ordentlich Schwung ist es trotzdem noch interessant, die Tür, die nur zwei cm breiter als der Lenker ist, zu treffen.

Müde und durchgefroren geht es nach einem 10 stündigen ereignisreichen Fahr-Tag erst mal unter die heiße Dusche und dann zum Chifa Chinesen zum späten Abendessen.

Heute haben wir die 30.000 km in Südamerika voll gemacht.

Die nächsten  Tage verbringen wir in Huaraz und finden nach 4 monatiger Suche auch endlich einen Schuster der meine zerbröselten Zwischensohlen austauscht.
Das Wetter ist für die Jahreszeit ungewöhnlich schlecht und es regnet jeden Nachmittag.

Auf unsrer 3 Tages Runde um die Cordillera über Chacas, San Luis und den Punta Olympica haben wir dann leider auch kein all zu gutes Wetter und auch die Straßen sind meist in einem miserablen Zustand. Für die 50 km zurück nach Carhuaz brauchen wir dann auch ganze 5 Stunden. 3 Stunden müssen wir an diversen Baustellen warten und auf der Passhöhe bedeckt rutschiger Schnee die eh schon schlammigen steilen Serpentinen.

Da sich meine Schuhsohle schon wieder löst, fahren wir noch einmal nach Huaraz zurück um vom Schuster nachbessern zu lassen.  Der Preis für die Reparatur war mit 24€ derart hoch daß ich dafür auch Qualität erwarten kann. Genervt von den vielen Baustellen und dem Regen wollen wir unsre Laune durch ein feines Essen bessern und gönnen uns bei „Mi Chef Kristoff“ zwei tolle Steaks. Ich bestelle meins „rojo“, da „medium“ ja fast überall „fast durch“ ist und bekomme mein Fleisch tatsächlich noch fast roh. So wie ich es bestellt hab 🙂
Noch lange nach Ladenschluss sitzen wir mit Kristoff beisammen und probieren seine selbst angesetzten Schnäpse, so dass wir am nächsten Tag mal wieder nicht wie geplant weiter kommen.

 

 

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