Sep 202013
 

Ein Jahr ist jetzt seit unserer großen Reise durch Südamerika vergangen und es ist mal wieder Zeit für einen Urlaub.
Eigentlich wollten wir mit unserem Busle durch Südfrankreich, vom Motorradfahren hatten wir immer noch genug, aber der Transit hatte weder TÜV noch Krümmer und so blieb uns ja fast keine andere Wahl, als wieder mit den Motorrädern los zu ziehen. Erschwerend kam hinzu, dass wir uns auf dem MRT ( Motorrad-Reise-Treffen) in Gieboldehausen mit einigen unserer Reisebekanntschaften aus Südamerika verabredet hatten und die Blöße, mit dem Auto auf einem Motorradtreffen aufzutauchen, wollten wir uns nun wirklich nicht geben. Unsere erste Station sollte das Globetrottertreffen Schwarzach in Vorarlberg am Bodensee werden. Über Facebook hatten wir mitbekommen, dass den Schwarzachern kurzfristig ein Referent abgesprungen war und da wir ja noch vom TTT, dem Tesch-Travel-Treffen eine Diashow unserer Südamerika Reise in der Schublade liegen hatten, sagten wir spontan zu. Als wir unsere Motorräder endlich fertig aufgepackt haben ist es bereits Freitag Nachmittag. Auch wenn wir es eilig haben, wollen wir auf keinen Fall auf die Autobahn und so suchen wir unseren Weg über die schwäbische Alb. Die Durchfahrt durch den Schönbuch nach Tübingen ist gesperrt und über Reutlingen fahren wir nie wieder, da die Ampelschaltungen dort vermutlich von Praktikanten programmiert wurden also bleibt uns nur der Weg über Metzingen nach Bad Urach.  Ab hier lassen wir uns auf dem „kürzesten Weg“ über die Alb bis Lindau leiten. Da die Österreicher die Korridorvignette durch den Pfändertunnel abgeschafft haben, kommt Bregenz in den Genuss meines viel zu lauten Schalldämpfers, wofür ich mich an dieser Stelle entschuldigen möchte.
Genau rechtzeitig zum ersten Vortrag erreichen wir die Campingwiese, allerdings sind in unserer „Münchner Wagenburg“ auch gerade die Würschtl fertig gegrillt und da wir plötzlich auch noch ein kaltes, frisch importiertes Lasko Pivo in der Hand halten und eh schon halb verhungert sind schaffen wir es leider nicht mehr zum ersten Vortrag.  Als kurze Zeit später auch noch die monstermäßig große Brandschale in Betrieb genommen wird, versinken wir in einer der Couch-Garnituren, die sich praktischerweise hierher auf die Grüne Wiese verirrt haben und  lassen uns bei der wohligen Wärme des Feuers auch von der Band, die neben uns munter aufspielt, nicht weiter stören. Trotz des langen Abends ist die Vortrags-Scheune bereits am frühen Samstag Vormittag gut gefüllt und so können wir den zahlreichen Zuschauern mit unserem kleinen Vortrag hoffentlich Lust auf Südamerika machen. Feuerschale auf dem Globetrotter Treffen
Trotz neuer Motorradjacken werden wir am Sonntag auf der nächsten Etappe völlig durchnässt. Der einknöpfbaren Membran stand ich zwar bereits beim Kauf skeptisch gegenüber, aber den größten Nachteil bemerke ich natürlich erst im Praxistest. Die wasserdichte „Innenjacke“ ist ein ganzes Stück kürzer als die eigentliche Jacke und so schafft es die Nässe, über meinen Pullover bis fast zur Brust hoch zu wandern! Weiter durch Niederbayern bleibt es dann immerhin trocken. Da aber die Vorhersage für den Bayrischen und Böhmerwald nicht sehr einladend sind, bleiben wir eine zweite Nacht in Passau. Durch den Bayrischen Wald erwischt uns dann zwar nochmal ein ordentlicher Schauer, aber mit zusätzlicher Regenjacke bleibe ich diesmal halbwegs trocken und kaum haben wir die Grenze in die Tschechische Republik hinter uns gelassen, klart das Wetter ein wenig auf und wir biegen sofort auf die kleinen und kleinsten Sträßchen ab, die oft kaum größer als Fahrradwege um das Westufer des Lipno Stausees herumführen. Trotz GPS Karte müssen wir alle paar Kreuzungen stehenbleiben und nach dem Weg schauen. Das Navi will einfach nicht da lang wo wir lang wollen. Als wir dann fast um den See rum sind stehen wir auch prompt vor einem gesperrt Schild. Die Tschechischen Untertitel deuten wir aber so, dass die Durchfahrt nur nachts gesperrt ist und so müssen wir doch nicht umkehren. Da wir noch bei Tageslicht etwas vom Weltkulturerbe Krummau sehen wollen, beeilen wir uns ohne weitere Umwege dorthin zu kommen.  Da die Unterkunft die wir uns bereits im Vorfeld herausgesucht haben allerdings auf mindestens zwei Übernachtungen besteht und wir uns mit den beiden Campingplätzen nicht anfreunden können, müssen wir nach einer Alternative suchen. Wir haben aber Glück. nur wenige Sekunden nachdem wir bei der erstbesten Pension geklingelt haben hält neben uns ein Auto und die Wirtin, die hier garnicht selbst wohnt kommt zufällig gerade vorbei und spricht sogar ein paar Brocken deutsch. Böhmisch Krumau Das Schild mit der Telefonnummer am Haus haben wir zwar gesehen, angerufen hätten wir aber nicht. So kommen wir ohne lange Suche zu einem schnuckligen kleinen Zimmer und was noch viel wichtiger ist, unsere Moppeds bekommen einen Platz in der Garage. Ob es am Wetter oder an der Jahreszeit oder der Uhrzeit liegt wissen wir nicht, jedenfalls sind außer uns kaum andere Touristen in dem historischen Stadtzentrum unterwegs und so verknüpfen wir den Rundgang mit der Suche nach einem authentischen Abendessen. Original Böhmische Küche steht hier zwar an jedem der zahlreichen Restaurants aber trotzdem brauchen wir eine ganze Weile bis wir etwas Einladendes gefunden haben. Zuletzt treibt uns der Hunger zum „Svejk“ und wenn uns auch das Essen nicht ganz überzeugen kann so trösten uns die moderaten Bierpreise und auch die Atmosphäre erfreut zumindest Suse. In Tschechien ist das Rauchen in Restaurants ganz offensichtlich noch nicht verboten und so wird das dann auch ausgiebig genutzt.

Nach fast einem Jahr ist es ungewohnt wieder auf dem Motorrad zu sitzen. Klar haben wir zwischendurch ein paar kleinere Ausflüge unternommen aber bereits beim packen waren wir verunsichert. Eigentlich sollte man meinen, dass wir die Erfahrung und die Routine haben sollten, aber irgendwie ist alles weg. Alles anders. Das Motorrad ist ungewohnt, klar, die Landschaft ist auch anders,aber viel ungewohnter ist der Zeitrahmen der uns einengt. Wir müssen Termine einhalten und auch wenn für andere 3 Wochen schon ein langer Urlaub sind kommt bei mir kein Reisefeeling auf. Ich bin gefangen. Auf dem Motorrad heißt für mich Reisen, nicht Urlaub machen aber drei Wochen reichen mir für eine Reise nicht mehr. Für Suse kommt erschwerend dazu, dass sie die Sprache hier in der Tschechei nicht versteht, was für mich ja ganz normal ist. In den Alltag haben wir nach dem Jahr Auszeit gut wieder hinein gefunden, aber offensichtlich müssen wir erst wieder lernen wie man Urlaub macht.

Am nächsten Morgen hat sich das Wetter immerhin endgültig beruhigt und wir werden schon zum Frühstück von einem strahlend blauen Himmel begrüßt und so muss Suse zur Abwechslung mal nicht im Regen ihre Morgen Zigarette zu sich nehmen. Kalt ist es trotzdem noch und so machen wir uns gut eingepackt über die kleinsten Straßen die wir finden können auf nach Prag. Budejovice umfahren wir großräumig westlich und genießen statt der Stadt lieber nochmal die kurvigen kleinen Sträßchen des Böhmerwalds bevor wir dann der 105 bis fast nach Prag folgen. Sanft windet sich die Straße, beinahe wie eine einzige lange Apfelbaum-Allee durch hügelige Felder. Die vielen kleinen Dörfer unterbrechen zwar die Fahrt, bieten dem Auge dafür eine abwechslungsreiche Kulisse aus alten Bauernhäusern und dem verfallenen Sowjet Charme ehemaliger Kolchosen, die wie Industrieruinen immer wieder zwischen den Feldern auftauchen. Es ist Spätsommer und mehr als einmal verfehlt uns ein reif abstürzender Apfel. Inmitten dieser Idylle tauchen am Horizont plötzlich die Kühltürme des Atomkraftwerks in Temelin auf, die wie ein riesiges abgestürztes Ufo beunruhigend vor uns in der Landschaft liegen. AKW Temelin
Bei unserem Mittagstopp in einem kleinen Biergarten bekommen wir als Touris zwar eine extra „deutsche“ Speisekarte, aber leider ohne die günstigen Gerichte auf der Tageskarte und ohne Übersetzung, auf gut Glück irgendetwas bestellen wollen wir dann auch nicht. Die Adresse unseres angepeilten Hostels finden wir zwar sofort, allerdings beharrt die freundliche Dame an der Tür hartnäckig darauf, dass hier ein Institut der Uni-Klinik sei, und kein Hostel. Das Haus stimmt zwar mit dem Bild auf der Webseite überein, aber offensichtlich war die Webseite nicht mehr aktuell. Und dafür hab ich die Woche zuvor stundenlang im Internet recherchiert. Ich bin ratlos. Wo jetzt eine günstige Unterkunft mit Motorradparkplatz finden? Meine recherchierten Alternativen hat es mir irgendwie nicht auf das GPS übertragen und so bleibt uns nichts anderes übrig, als die in den Garmin Points of Interest gespeicherten Hotels eins nach dem anderen anzufahren. Bei den ersten können wir sofort und ohne zu fragen weiterfahren. Die vielen Sterne über den Empfangsportalen verraten uns auf den ersten Blick, dass wir hier zu viel bezahlen müssten. Jeder dritte der Wegpunkte ist abgesehen davon nicht mehr vorhanden oder verkehrt und zu allem Überfluss fängt das Navi schändlich an zu versagen. Abbiegungen zeigt es entweder zu spät an oder gibt Anweisung in die verkehrte Richtung in Einbahnstraßen einzubiegen. Die 2013er Mapsource-Karte ist zumindest für Tschechien nicht empfehlenswert. Nach über zwei Stunden geben wir entnervt auf und beschließen, etwas weiter außerhalb auf einen der Campingplätze auf der Moldauinsel zu fahren aber auch hier hat das Navi eine Überraschung für uns bereit als es uns kurz vor dem Ziel auffordert entgegen der Fahrtrichtung auf die Stadtautobahn aufzufahren. So bleibt uns nichts anderes übrig als bis zur nächsten, fast zehn Kilometer entfernten Ausfahrt zu fahren und dort umzudrehen. So langsam verlier ich die Lust auf Prag und würde am liebsten weiterfahren, aber Suse war noch nie hier und hatte sich einen Abstecher hierher gewünscht und so landen wir irgendwann auf dem erstbesten Campingplatz. Von der Moldau bekommen wir allerdings nicht viel zu sehen. Die Aussichtsplätze sind für die Wohnmobilfahrer reserviert. Wir als Motorradfahrer werden hinters Toilettenhäuschen verfrachtet. Nicht sehr viel zufriedener besorgen wir uns am Kiosk ein 24 Stunden Ticket für die Tram und machen uns auf in die Stadt. An der Straßenbahnstation dann ein erster Lichtblick. An dem kleinen Kiosk, an dem gerade der Soundcheck für ein kleines Konzertle stattfindet genehmigen wir uns erstmal ein Willkommensbier und ziehen dann weiter in die Innenstadt um uns etwas zu essen zu suchen. Wie so oft stellen wir uns dabei mal wieder recht ungeschickt an. Zuerst müssen wir uns orientieren. Verlassen liegt eine Einkaufsstraße vor uns und wir befürchten schon, dass wir außerhalb der Saison da sind und außer m McDoof nichts geöffnet hat, aber nach einigen Minuten finden wir dann doch die anderen. Und es sind viele. Zu tausenden durchstreifen sie die Altstadt und drängen sich in überteuerten Restaurants. Einige hundert Meter folgen wir der Masse um dann nicht Richtung Karlsbrücke abzubiegen sondern unser Glück etwas weiter im ehemaligen Jüdischen Viertel zu versuchen. Zunächst landen wir in ein paar dunklen Gassen, natürlich ohne ein einziges Restaurant und der Hunger quält uns dann doch schön langsam und wir bedauern es schon, den Schottischen Feinkosttempel verschmäht zu haben als doch noch ein paar Restaurants auftauchen. Mithilfe unseres Wörterbuches suchen wir uns vor der Tür  erstmal  zusammen, was wir essen könnten um dann drinnen zu erfahren, dass die Küche leider längst geschlossen hat. Da die Hunger-Situation jetzt aber langsam kritisch wird sind wir heilfroh, als wir eine kleine Burgerbude finden und ich bestelle mir das größte Menü, das im Angebot ist. Eine Entscheidung die ich nach wenigen Bissen bereue. Trotz meines Hungers sind leider weder Burger noch Pommes besonders schmackhaft, aber immerhin das Bier ist trinkbar, aber diesbezüglich brauche ich mir in Tschechien auch wirklich keine Sorgen machen.

Karlsbrücke in Prag Wie viel sich seit meinem letzten Besuch in Prag vor einigen Jahren geändert hat sollte ich am nächsten Tag merken. Die komplette Innenstadt hat sich auf Touristen ausgerichtet und besteht nur noch aus Besuchermassen, überteuerten Restaurants und Souveniergeschäften. Hatte ich in Machu Picchu noch gedacht, dass dort zu viele Besucher waren so werde ich auf der Karlsbrücke eines besseren belehrt. Selbst als Oktoberfest erfahrener Münchner habe ich hier Probleme vorwärts zu kommen und verliere schnell die Lust am Stadtbummel. Mir tun die Füße weh und es ist viel zu heiß, aber bevor wir ein bezahlbares Erfrischungsgetränk finden müssen wir erst aus dem ganzen Touri-Schlamassel wieder herausfinden und das dauert. Zusätzlich zu den „normalen“ Urlaubern ist die Stadt, dank des Supercups auch noch von unzähligen Bayern-Fans  überlaufen und so machen wir uns beizeiten auf den Weg zurück zum Campingplatz um etwas außerhalb eine Kneipe zu finden die das Spiel überträgt, was uns bei den Fußballbegeisterten Tschechen auch nicht schwer fällt. Der Raum ist voll und verraucht, ganz hinten an der Wand ist bei ein paar Mädels noch Platz am Tisch, aber als wir fragen ob wir uns dazu setzen dürfen, weisen sie uns mit einem leicht angewiederten Blick ab. Also nehmen wir uns einfach die freien Stühle und setzen uns an den kleinen Tisch daneben, wo wir auch recht schnell mit unserem Tischnachbarn ins Gespräch kommen, der typisch tschechisch recht gesellig und gesprächig ist.

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