Nov 222013
 

Vier Tage für 300km ist selbst uns zu wenig, aber mit dem direkten Weg hatten wir es ja auch noch nie. Bei unserer Mittagspause an der ehemaligen Grenzstation direkt am Elbufer kurz vor Bad Schandau beginnt es leicht zu nieseln. Die Spuren des letzten großen Hochwassers sind hier längst beseitigt. Die markanten Schrammsteine an der nächsten Flussbiegung künden bereits vom Elbsandsteingebirge.
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Zunächst folgen wir den Gleisen der Kischnitztalbahn. Die Straße ist nass und schmal und die rutschigen Straßenbahngleise, die direkt auf der Fahrbahn verlaufen, bremsen uns genauso aus wie die Bahn selbst, die wir auf der kurvigen Strecke beim besten Willen nicht überholen können. Bei sonnigem Wetter wäre die Strecke landschaftlich ein Traum, aber so bereitet uns der Schlenker durch die Sächsischen Schweiz nicht die erhoffte Freude. Bei der Bastei beratschlagen wir noch kurz und fahren dann aber weiter. Bei den tiefhängenden Wolken ist ein Aussichtspunkt das letzte was wir wollen, vielmehr sehnen wir uns nach einer heißen Tasse Kaffee was im Angesicht des sächsischen Kaffeekultur nicht so schwer sein sollten. Erstmal wollen wir aber aufs andere Elbufer. Da auf unserer Reise KnowHow Karte ganz in der Nähe in Wehlen eine Brücke eingezeichnet ist machen wir uns an die engen und rutschigen Serpentinen hinab ins Elbtal. Unser GPS hat dort zwar keine Brücke eingezeichnet aber wir hoffen auf eine kleine Fähre, werden aber enttäuscht. So stabil, haltbar, wasserfest und praktisch die Reise-Know-How Karten für Motorradfahrer auch sein mögen. Die falsch eingezeichneten Straßen sind leider nicht nur auf die Südamerika Karten beschränkt.
Auf unserem erzwungenen Umweg durch Pirna läuft uns dann wider Erwarten kein Kaffee über den Weg und so fahren wir direkt wieder nach Süden. Als wir uns der Tschechischen Grenze nähern gesellen sich zum Regen noch Nebel und Wind dazu. Wir durchfahren auf kleinsten Wegen ein Hochmoor. Das Ambiente ist grandios, aber so kalt, dass ich freiwillig auf jeden Fotostop verzichte. Wir haben eigentlich keine Lust mehr noch weiter zu fahren aber es ist erst früher Nachmittag und eigentlich noch zu früh um den Fahrtag zu beenden. Trotzdem überlegen wir an einer geöffneten Berghütte eine Weile ob wir uns hier einmieten sollen, fahren aber aufgrund fehlender Unterstellplätze für die Moppeds weiter. Nach Zelten ist uns heute wirklich nicht zumute. Die feuchte, kalte Luft kriecht unerbärmlich immer tiefer durch unsere altersschwachen Klamotten. Wir hatten uns eigentlich auf einen Sommerurlaub eingestellt und nicht damit gerechnet, dass der September gleich zu Beginn so hart zuschlagen würde. Die tschechischen Seite des Erzgebirges ist hier rau, wild und einsam und soweit wir das bei der schlechten Sicht beurteilen können auch wunderschön. Ein kleines Wintersporthotel verschmähen wir noch und hoffen auf eine bessere Unterkunft, aber die nächsten in unserer Karte eingezeichneten Dörfer sind in der Realitätnicht vorhanden und so passt sich unsere Laune den Temperaturen an. In Litvinov, wieder im Tal hört es zwar zu regnen auf, aber nach einer Stunde erfolgloser Herbergssuche muss ich Suse regelrecht zwingen wieder ins Gebirge zu fahren und auf übersichtlichere kleine Dörfer zu hoffen. Bereits nach wenigen Kurven haben uns auch die Wolken wieder. Im erhofften Hotel aus den GPS Waypoints hat nur das Restaurant geöffnet und in der alternativen Pension werden für nix deutsche Preise ausgerufen. Da können wir auch gleich über die nahe gelegene Grenze nach Deutschneudorf wechseln. Hier werden wir zwar fündig und würden ein Bett bekommen, aber leider nichts zu Essen und da wir, einmal aus den Nassen Klamotten raus sicher nirgends mehr hinfahren würden geht die Suche weiter bis wir irgendwann aufgeben und in dem eigentlich etwas über unserem Budget liegenden Berghof in Heidelberg bleiben. Unsere Motorräder können wir im Hof unter dem Carport lassen. Das extrem wohlschmeckende regionale Bier zum ebenfalls leckeren Abendessen stimmt uns wieder versöhnlich. Die Wetterbericht verleiht unsrer Laune dann aber gleich wieder einen ordentlichen Dämpfer. In ganz Europa ist bestes Wetter, nur exakt da wo wir sind, im Erzgebirge, da soll es auch noch die nächsten zwei Tage schütten. Uns bleibt nichts anderes übrig als schleunigst das Weite zu suchen und so tasten wir uns am Südrand des Erzgebirges entlang nach Westen, immer hin- und hergerissen zwischen der hässlichen aber trockenen Hauptstraße im Tal und den kleinen schönen aber kalten und nassen Sträßchen an der Gebirgsflanke. Mit Bayern hat uns dann das schöne Wetter wieder nach kurzer Suche finden wir am Waldrand einen feinen Platz für die Nacht.P1000554

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