ab nach Osten

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Jun 132018
 

Moskau verlassen wir, wie es uns empfangen hat, mit Stau. Es ist immernoch unerträglich warm, aber wir haben uns an den Fahrstil angepasst und schlängeln uns unermüdlich durch die Kolonne, nochmal will ich keinen Kollaps bei meiner DR riskieren. Zwischendurch checke ich auf dem Handy die Yandex Echtzeit-Stauinfos und wir versuchen die eine oder andere Umleitungsempfehlung, aber viel besser macht es das auch nicht. Trotz aller Drängelei brauchen wir einen halben Tag durch die Stadt. Da hätten wir auch den äußeren Ring nehmen können, das hätt auch nicht länger gedauert. Für den Abend probieren wir ein erstes Mal booking.com aus. Eine passable Unterkunft ist schnell gefunden, aber bevor wir blind buchen, wollen wir uns die Zimmer lieber erst anschaun. An der Rezeption gibt es zum angegebenen Preis überraschenderweise kein Zimmer mehr. Nur noch zum doppelten Tarif! Warum das in der App noch erhältlich ist, kann uns der Chef auch nicht sagen. Draußen vor der Tür buchen wir dann trotzdem und fahren weiter, dann soll er wenigsten die Provision abdrücken. Die zweite Wahl entpuppt sich ebenfalls als Niete. In dem Hostel residiert eine Indische Sekte die sich in ihrer Abendmeditation durch uns nicht stören lässt. die Rezeption ist nicht besetzt und niemand interessiert sich für uns, also fahren wir weiter. Das Hostel ums Eck, das wir auf google Maps gefunden haben ist komplett belegt und parken müssten wir eh auf der Straße. Die ganze Sucherei hat uns fast zwei Stunden gekostet, da hätten wir gut noch etwas Strecke machen und uns ein hübsches Plätzchen suchen können. Wir verlassen die Stadt und versuchen unser Glück bei einem Campingplatz an der Wolga, den Suse auf ihrem GPS gefunden hat.  Vom Camping  ist an den angegebenen Koordinaten weit und breit nichts zu finden. Also hoppeln wir den Feldweg noch etwas weiter und gesellen uns zu den Anglern  am Flussufer. Den Jungs hier scheinen die Mücken nichts auszumachen, aber unser Essen heut Abend ist alles andere als vegetarisch, mit dem ganzen Fliegzeug, das in unserem Topf Suizid begeht

Am nächsten Abend in Kazan haben wir mehr Glück. Wir landen bei einem Homestay. Wir bekommen einen Wohncontainer im Garten und unsre Moppeds stehen hinter Schloss und Riegel. Unser Wirt bringt uns noch schnell zu einem Schuster, weil sich bei meinen Stiefeln bereits die Sohle löst und dann ziehen wir los in die Stadt. Nach einem Veggi-Abendessen, das wir mit Hilfe der Happy Cow App gefunden haben, streifen wir durch die Stadt und den sehenswerten Kreml, in dem alle drei Konfessionen friedlich vereint ihre Kirchen errichtet haben. Danach brauchen wir ewig um ein Bierchen zu finden. Suse ist hundemüde und schläft in der Kneipe fast ein, was ham die auch Sofas! Als ich unsre Biere erledigt habe, will ich ein Uber rufen. Saupraktisch, haben wir in St Peterburg gelernt. Du musst kein Wort in Landessprache wechseln und der Preis steht bereits vor Fahrtantritt fest, so dass du auch nicht abgezockt wirst. Allerdings verweigert die app plötzlich den Dienst. Irgendwas mit meiner neuen Kreditkarte stimmt nicht. Wir stehen also kurz nach Mitternacht in einer fremden Stadt im strömenden Regen am Strassenrand und haben keine Ahnung wie wir unser Bett wiederfinden sollen. Wie, wo und ob noch Busse zurückfahren haben wir keine Ahnung. Eine Neuinstallation der App führt nur zur Sperrung meines Kontos. Juhuu!!
Mit Hilfe eines Yandex Taxis und der schnell installierten app kommen wir dann doch noch irgendwie zurück und fallen müde ins Bett. Die vorhandene Bett-Decke ist nur leider so dünn, dass wir eng aneinandergekuschelt trotzdem die ganze Nacht frieren wie die Schneider, aber keiner von uns beiden kann sich aufraffen aufzustehen und einen Schlafsack auszupacken. Die wären ja auch 2 Meter entfernt.

Bei fast patagonischem Wind und einigen Regenschauern verlassen wir die Magistrale und nehmen den  Schlenker nach Norden über Perm. Hier solle es landschaftlich interessanter als im Süden über Omsk sein. Zur Auswahl stehen 3 Straßen. Je nach zu Rate gezogener Karte haben alle die selbe Straßennummer. ReiseknowHow, Jandex, Google und unser GPS sind sich nicht einig welche wohl die beste Strecke sein könnte und so entscheiden wir uns für die erstbeste, natürlich die Verkehrte.
Die Kälte treibt uns bereits Mittags in eines der kleinen кaфеs am Straßenrand. Wir brauchen dringend zumindest etwas warmes zu trinken. Bisher haben wir uns für Mittags immer etwas im Supermarkt besorgt und dann am Straßenrand gepicknickt. Aber in diesem kleinen кaфе dann die Überraschung. Es gibt hier im muslimisch geprägten Tatarstan eine paar leckere, vegetarisch gefüllte Teigtaschen , so ähnlich wie große Empanadas und so fahren wir gewärmt und gesättigt weiter bis zur nächsten Überraschung. Die Straße geht gar nicht nach Perm! Brücke gibt es keine (Reise Know How/ Yandex), Fähre fährt wegen Hochwasser nicht (google), und die OSM Karte vom GPS wollt hier eh nicht lang (ungeteerte Streckenabschnitte vermeiden)
Also hilft nur der 100km langen Umleitung zu folgen. So erreichen wir unser heute angepeiltes Ziel natürlich nicht, dafür finden wir ein windgeschütztes Plätzchen und die 6 Grad sind am Feuer gar nicht mehr so kalt.

Der nächste Morgen ist noch überraschend schön, aber dann trifft uns die Schlechtwetter Kaltfront mit voller Wucht.
Mit so einem Kälteeinbruch haben wir nicht gerechnet und die warmen Sachen sind unerreichbar tief im Packsack vergraben. Abpacken, auspacken und umziehen ist keine Option, und als der Regen gegen Mittag dann noch stärker wird, verziehen wir uns in ein wärmendes Kaffee – Das Dreckswetter können wir auch im Warmen aussitzen.
Kurz vor unserem angepeilten Ziel ist dann aber erstmal Schluss. Die aufgeweichte und von Autos tief zerfurchte schmierige Schlammstrecke wollen wir uns nicht antun. Umkehren und 40km außen rum wollen wir aber auch nicht.  Da erbarmt sich ein vorbeikommender Autofahrer und lotst uns auf die Umleitungsumleitung: den Acker hinter der Hecke.  Der liegt etwas höher, ist nicht ganz so vollgelaufen aber immer noch hinreichend rutschig. Jedes bisschen Gas geben verleitet das Mopped dazu, sich quer zu stellen. Suse ist kurz davor aufzugeben, aber der vorausfahrende Russe, der immer versucht den besten Weg zu finden motiviert sie immer wieder durchzuhalten.
Zur Belohnung meint es Booking.com dann gut mit uns und wir erwischen eine wahre Luxusherberge zum kleinen Preis.

  Eine Antwort zu “ab nach Osten”

  1. Hallo ihr beiden,
    Als Backup könnt ihr noch Grab installieren. Ist wie uber nur von Chinesen. In manchen Ländern geht beides, manchmal nur eins. Aber auf dem Handy haben schadet nicht. Und man kann auch cash payment auswählen. Gibt’s sogar als Scooter Version, wo dich jemand aufn Sozius nimmt.
    Viel Spaß noch!

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