Dez 172018
 

Noch etwas ungläubig, dass der schmale Radweg über den Damm tatsächlich zur Nepalesischen Grenze führt, freuen wir uns über die schnelle Abfertigung auf indischer Seite. Die Büros wirken improvisiert, Schreibtische in Hütten, keine Aktenschränke oder Computer, Telefon und Strom werden gerade installiert. Draußen springen Affen herum während drinnen unsere Carnets abgestempelt werden. Für die Motorräder interessiert sich niemand. Erst die letzte Kontrollinstanz, bei der üblicherweise nur die Stempel in den Pässen gecheckt werden, nervt. Erst springt uns ein „Zivilist“ unvermittelt vors Rad um uns zu stoppen, dann sollen die Moppeds erst links, dann rechts abgestellt werden, danach werden wir ignoriert und irgendwann werden in Zeitlupe unsre Passdaten in ein Journal übertragen. Im  Niemandsland überholen wir dann zahlreiche wirklich wirklich vollbeladene Fahrräder, die hier Lastwagenladungen von Indien nach Nepal bringen. Einheimische Fußgänger und Radfahrer werden scheinbar nicht kontrolliert und so wird eben alles stückweise ins Nachbarland „geschmuggelt“. Als wir in Nepal dann Zoll und Immigration gefunden haben, sind die Formalitäten schnell erledigt und auch unser indisches Restgeld können wir beim Zöllner zu einem guten Kurs umtauschen. Alles in allem haben wir einen so kleinen, schnuckligen, von Affen bevölkerten und unkomplizierten Grenzübergang noch selten erlebt.

Als nächstes heißt es einen Geldautomaten zu finden. Die Infos auf google maps und Maps.me sind wenig zuverlässig. Zudem verlangen die Automaten, die wir irgendwann finden, horrende Gebühren und haben zudem ein lächerlich geringes Abhebelimit. Uns bleibt aber keine Wahl und vielleicht erstattet uns die Santander ja tatsächlich die Gebühren zurück. Kaum haben wir Geld können wir dann noch schnell die nächste Aufgabe erledigen. Eine Sim Karte für Nepal. Wir haben uns mittlerweile doch an die Annehmlichkeiten eines Smartphones gewöhnt und da es bereits auf den Abend zugeht, kann etwas Internet bei der Suche nach einer Unterkunft immens helfen. Auf unserem bisherigen Weg durch Bhimdatta haben wir jedenfalls noch kein Hotel erkennen können. Ein Telefonladen ist schnell gefunden und als ich auch noch eine Passkopie aufgetrieben habe ist der Rest schnell erledigt.
Jetzt heißt es schnell eine Unterkunft finden, wir wollen nicht schon wieder nachts fahren, auch wenn es auf den Straßen, im Gegensatz zu Indien, beinahe gemütlich zugeht. Online steht nicht viel zur Auswahl und da heute alles so reibungslos geklappt hat, gönnen wir uns ein Hüttchen und ein Bier in der nahegelegenen Dschungellodge.
Nur zu einer Safari lassen wir uns nicht überreden, die haben wir für den Bardia Nationalpark geplant,  unserem nächsten Ziel, dort soll es wesentlich mehr zu sehen geben. Eine Sache wollen wir aber doch noch anschaun, gleich um die Ecke ist die wahrscheinlich längste Fußgänger-Hängebrücke Asiens.

Die Fahrt nach Bardia ist dann recht entspannt, zieht sich aber. Zwar ist zwischen den Ortschaften kaum jemand unterwegs, aber ein „zwischen“ den Ortschaften gibt es kaum, da entlang der Straße fast durchgehend Ortschaften entstanden sind.  Es gibt viel zu schaun. Die Landschaft, egal ob Felder oder auch der Dschungel und die Heuhaufen und Hütten unterscheiden sich deutlich von denen, die wir bisher im gebirgigen Indien gesehen haben. Dafür tummeln sich auch hier immer mal wieder Affen am Straßenrand, an denen wir uns noch immer nicht sattgesehen haben.

Überrascht sind wir auch von den Preisen. Die Mittagessen in den einfachen Bretterverschlägen am Straßenrand sind um ein vielfaches teurer als in Indien. Und wir dachten Nepal wäre das ärmere Land.
Um den Eingang des Bardia Nationalparks gibt es zahlreiche Unterkünfte. Wir haben uns bereits vorher ein paar davon rausgesucht und empfehlen lassen und mieten uns in unsrer zweiten Wahl für ein paar Tage ein. Die Matratze besteht zwar mal wieder nur aus wenigen Zentimetern superweichem Schaumstoff, aber mit einer Therm a Rest Matte oben drauf geht das dann. Die schimmligen Kopfkissen bekommen wir auf Nachfrage auch ausgetauscht und zum Duschen gibt es auf Bestellung einen Kübel warmes Wasser. Das Zimmer mit brettharter Matratze und warmer Dusche hätte das doppelte gekostet, aber bei den Bierpreisen hier im Land müssen wir irgendwo anders sparen. Man muss halt Prioritäten setzen.

Am nächsten Tag heißt es dann früh aufstehen, wir wollen in den Park Tiere beobachten. Doch obwohl wir das Frühstück bereits am Abend vorher bestellt haben, braucht die Küche fast eine Stunde um uns ein Schälchen Müsli zuzubereiten und so kommen wir deutlich später los als geplant. Aber die Wildtiere haben ihr Frühstück für uns ja sicher auch verschoben. Gerade als wir den Park betreten, fängt es zudem noch an zu regnen, na super. Das fängt ja gut an. Während einer unserer Guides die Eintrittskarten besorgt, stellen wir uns am Crocodile Breeding Center unter. Ein paar trübe Becken, wo es nicht viel zu sehen gibt. Als das Gewitter halbwegs abgezogen ist, läuft unser kleines Grüppchen los. Wir sind zu fünft unterwegs, drei Touries und zwei Guides, einer hinten einer vorne, jeder mit einem Bambusstock bewaffnet um wilde Tiere abzuwehren. Immerhin soll es hier ja außer Nashörnern, Elefanten und Krokodilen auch Tiger geben. Da fühlen wir uns doch mit Stock gleich viel sicherer.
Zuerst müssen wir durch einen steinigen Fluss waten. Wo denn unsere FlipFlops wären fragt unser Guide – hätt se uns auch auch vorher sagen können. Also halt barfuß durch – unsre Bergstiefel würden bei der hohen Luftfeuchtigkeit die nächste Woche nicht trocknen.

Weiter geht es durch Busch und Grasland, wobei das Gras auch gerne mal mehrere  Meter hoch ist. Hin und wieder machen wir an einer Flussbiegung Rast und warten auf das Wildleben, das es hier angeblich so reichlich geben soll. Noch ist allerdings nichts davon zu sehen. Hin und wieder stoßen wir auf Spuren im Sand die von Elefanten, Nashörnern und Tigern stammen, aber von den Tieren selbst ist nichts zu entdecken. Nach wie vor ziehen Gewitter an uns vorbei und es ist kühl und windig. Da würde ich auch nicht aus dem schützenden Unterholz rauskommen.
Irgendwann treffen wir dann auf andere Besuchergruppen – wir haben die Jeepfahrer eingeholt, die im Dickicht sitzen und auf den Fluss spähen. Gestern, so erzählt uns eine Engländerin, wäre hier genau vor ihnen ein Elefant vorbei gezogen. Heute allerdings hat noch niemand im Park ein Tier zu Gesicht bekommen. Die Guides stehen untereinander im regen Telefonkontakt und mühen sich redlich, das Wildleben aufzuspüren und plötzlich heißt es schnell sein. Wir laufen zu den Jeeps, die ja eigentlich der anderen Gruppe „gehören“, verteilen uns darauf und dann beginnt eine wilde Fahrt. In der Nähe des Parkeingangs wurde ein Elefant gesichtet. Als wir die Stelle erreicht haben, werden die Autos erst mal gewendet und wir pirschen uns langsam im Rückwärtsgang voran. Und wirklich können wir im hohen Gras in einiger Entfernung ein paar graue Schatten ausmachen. Ein Fernglas wird herumgereicht und die Kameras gezückt. Mein Autofokus weiß in dem Grasmeer allerdings nicht so recht auf was er da scharfstellen soll, aber viel zu knipsen gibt es ja eigentlich auch nicht.
 
Zurück an der Aussichtsstelle heißt es dann wieder warten. So müssen sich also Wildtierfilmer fühlen. Warten, warten, warten. Mittlerweile hat sich ein ganz beachtliches Grüppchen Touristen angesammelt, vielleicht kommt ja bald ein Tiger und holt sich einen zum Mittagessen. Zuerst werden wir allerdings gefüttert. Unsere Guides haben Gemüsereis, Äpfel und hartgekochte Eier dabei und so vertreiben wir uns die Zeit bei einem Picknick.
Das warten geht weiter, andere Touries kommen und gehen und zwischendurch traut sich auch ein kleiner Hirsch ans Flussufer.  Irgendwann zahlt sich die Warterei dann doch aus. Eine Nashorn und ihr Kleines  trauen sich kurz aus dem schützenden Dickicht. Naja, immerhin etwas. Tiger hatte ich zwar keine erwartet und an diesem Tag wurden auch von den anderen Besuchern keine gesichtet, aber etwas mehr hatte ich dann doch erwartet. Da fand ich die Affen auf dem Herweg wesentlich interessanter.
Trotzdem verlängern wir unseren Aufenthalt noch etwas, allerdings nicht um noch eine Safari zu unternehmen – das würde unser Budget sprengen – sondern um die Toilette ausführlich zu nutzen. Danke nochmal an den freundlichen Nachbarn mit dem Immodium.

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