Das Altai

 Veröffentlicht von  1 Antwort »
Aug 122018
 

Zum Abschied zeigt sich die Mongolei noch mal von ihrer garstigen Seite, dunkle Wolken begleiten uns und es weht ein eisiger Wind. An einer Kontrollstelle vor der Grenze sollen wir noch einmal eine „Straßen-Nutzungsgebühr“ bezahlen, haben dazu aber überhaupt keine Lust, da wir diese bereits bei der Einreise gezahlt haben und zudem bei einigen Mautstationen erneut zur Kasse gebeten wurden. Wir zeigen unsere Quittungen und beharren darauf, weder russisches noch Mongolisches Geld zu haben, da wir unsere Reste vor wenigen Kilometern vertankt haben. Der Polizist, der hier angeblich auch öfter mal Versicherungen kontrolliert, hat heute scheinbar schon genug kassiert und so kommen wir unbehelligt bis zur Grenze. Dort ist mal wieder großes Durcheinander angesagt und wir werden hin und hergeschickt bis wir alle Ausreisestempel beisammen haben und das Land verlassen können.

Auf der russischen Seite werden wir noch mal komplett gefilzt und dürfen unsere Kisten auspacken, aber wir sind noch vergleichsweise schnell fertig. Zwei koreanische Motorradfahrer, die wir bereits unterwegs öfter getroffen haben, sind nach fast 5 Stunden gerade fertig geworden.

Kaum sind wir in Russland, wandelt sich schlagartig die Landschaft. Also die Landschaft ist eigentlich identisch, nur sind wir jetzt in keiner überweideten Wüste mehr, sondern von grünen Hügeln umgeben. So hab ich mir eigentlich die Mongolei vorgestellt!

Während Suse eine Kippe raucht, gehe ich kurz einkaufen und komme vollbeladen und begeistert zurück. Es gibt wieder Obst und Gemüse und im Cafe gegenüber vom Magazin genehmigen wir uns erstmal einen angeblich vegetarischen Borscht, mit nur ganz wenig Fleisch und einen Plow. Aber immerhin schmeckt nicht alles nach altem Hammel und ranziger Milch.
Die Straße kann auch wieder als solche bezeichnet werden und plötzlich macht auch das Motorradfahren wieder Spaß. Endlich kein Rumgehoppel mehr. Als i-Tüpfelchen finden wir noch einen netten Platz mit Aussicht und Feuerholz an einem Gebirgsbach und bleiben dort gleich mal eine 2. Nacht. Das gesammelte Holz muss ja noch weg.

Für das russische Altai hatten wir bereits im Vorfeld eine Woche eingeplant, aber da wir jetzt ein paar Tage eher dran sind, haben wir Zeit für noch ein paar Seitentäler mehr. Gleich den ersten Abstecher brechen wir am Ulaganski Pass ab. Uns fehlt ein Ziel, der Telezker See ist zu weit weg, auf Schotterholper haben wir keine Lust und so fahren wir erstmal weiter nach Westen. „Campingplätze“, die wir in Russland bisher nirgends gesehen haben, gibt es hier plötzlich alle paar Meter, aber da wir Lust auf eine Dusche haben, mieten wir uns ein Hüttchen. Dusche gibt es zwar auch hier keine, aber für den späten Abend bekommen wir noch einen freien Slot in der Banja, wo wir uns gehörig den Dreck aus den Poren schwitzen.

Den Abstecher ins Koksa Tal können wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Lustige Ortsnamen ziehen uns immer an. Auch dieses Tal ist eine Sackgasse, auch wenn dies auf allen unseren Karten mal wieder anders eingezeichnet ist. Vor ein paar Jahren war die Strecke wohl mit Sportenduros für geübte Fahrer noch zu bewältigen, aber so suchen wir uns einen netten Platz am Fluss und freuen uns, dass bereits jemand ein Lagerfeuer für uns vorbereitet hat. Zumindest rauchen uns die Reste eines wahren Scheiterhaufens zur Begrüßung entgegen. Auch hier sammeln wir, gierig wie wir sind, wieder so viel Schwemmholz, dass es für einen zweiten Tag reicht und so müssen wir auch hier gezwungenermaßen einen Strandtag einlegen. Das mit dem gesammelten Holzvorrat  erledigt sich allerdings fast von allein, als am 2. Tag kurz nach Mittag die Dorfjugend ihren Badestrand entert und ihr Feuer vom Vortag wieder in Besitz nimmt. Zu Anfang kann ich sie noch ausbremsen aber irgendwann werden es immer mehr „halbstarke“ Kinder und ich resigniere. Irgendwann werden sie sich schon wieder verziehen und dann sammeln wir halt neues Holz für den Abend und so lange mach ich halt einen Ausflug ins nächste Kaff und hol frisch gezapftes, in Flaschen abgefülltes kaltes Bier.

Am nächsten Tag zurück auf der Hauptstraße überrascht uns dann, natürlich kurz vor der Passhöhe ein fieses Gewitter. Irgendwie hatte ich gehofft, noch zwischen den schwarzen Wolken durchschlüpfen zu können, aber kurz vor der Passhöhe geht es so richtig los. Gegen Hagel sind unsere Motorradklamotten machtlos und so sind wir froh, dass wir uns an einer der Marktstände völlig durchnässt und durchfroren unterstellen können. Auf Zelten haben wir jetzt keine Lust mehr und nehmen in der nächsten Gostiniza das letzte Zimmer, die Besenkammer. Aber immerhin geht irgendwann der Gewitter geschädigte Strom wieder an, so dass wir noch duschen können und sogar Internet  haben.

Der Abstecher ins Katun Tal schreckt uns dann zu Beginn fast ab. Es ist heiß und extrem touristisch. Nichts von der fälschlich erwarteten wildromantischen Einsamkeit. Wir fahren trotzdem weiter und meine Laune sinkt und sinkt. Ich hab Hunger, mir ist heiß und mein Handy geht schon wieder nicht. Ich bekomme seit Tagen kein Netz mehr, bzw. das Phone bucht sich nicht richtig ein. Die Simkarte funktioniert aber und so funktionieren wir unser „MP3 Player – Reserve Handy“ zum Hotspot um, leider halt nicht LTE fähig. Internet is so zwar wieder halbwegs da, aber aufhängen tut sich mein Drecksgerät trotzdem immer dann, wenn ich etwas nachschauen will. Bevorzugt wenn ich Koordinaten auf google maps nachschauen möchte und da das Scheißteil auch noch robust ist, geht es trotz allem durch die Gegend werfen einfach nicht kaputt. War das in Südamerika noch schön, ohne das ganze Technik-Geraffel. Alle paar Tage mal bei Wifi des Netbook rausgeholt und gut war. Der mühsam bei ioverlander rausgesuchte Platz erweist sich dann auch noch als Niete, also der Platz wär schon nett, aber dort tummelt sich schon ein ganzes Ferienlager und so fahren wir weiter und weiter. Heut will echt gar nichts gelingen. Irgendwann resignieren wir und stellen uns einfach neben ein paar russische Camper am Ufer. Sofort werden wir eingeladen. Besuch aus Deutschland ist auch grad da und natürlich wird uns reichlich Essen und Trinken aufgetischt. Trinken leider etwas zu reichlich. Suse schafft es rechtzeitig auf Bier umzusteigen, aber ich, naiv wie ich bin, versuche mitzuhalten. Die Feier am Abend ist phänomenal, der Katzenjammer am nächsten Tag auch und so müssen wir mal wieder einen Tag verlängern. Ich kann keinen Schritt machen, geschweige denn Motorrad fahren.

Ein letztes Tal fehlt uns noch und so kommen wir doch noch an den Telezkojer See. Ist auch touristisch, aber lang nicht so überlaufen wie das Katun Tal. Da das Wetter schmuddelig ist, nehmen wir uns ein Zimmer und verlassen dies auch den nächsten Tag nur zum Essen und Einkaufen, aktualisieren unseren Blog, waschen Wäsche und betreiben Datensicherung.

Die Strecke zu unserem nächsten Ziel ist dann, erstmals seit Tagen, recht langweilig. Dafür das Ziel um so weniger. Den Bike Post Black African in Biisk dürfen wir uns nicht entgehen lassen. Dort können Motorradfahrer kostenlos übernachten und es gibt eine Werkstatt, die gerne genutzt wird, um die Mongolei-Schäden, von denen wir zum Glück verschont geblieben sind, wieder in Ordnung zu bringen und so beschränken wir uns darauf Suses Steuerkettenspanner abzudichten, der just an diesem Tag gewaltig zu siffen begonnen hat.

Leider liegt das Altai, das unsere Erwartungen nicht enttäuscht hat, schon wieder hinter uns und die Reststrecke über Barnaul zur Kasachischen Grenze ist ziemlich langweilig. Nach einer mückenverseuchten Zwischenübernachtung verlassen wir – diesmal endgültig – Russland. Ein Land, an das wir keine großen Erwartungen hatten, das uns aber in guter Erinnerung bleiben wird.

Aug 072018
 
Mongolei - der wilde Westen

Nachdem wir ja dank unerwartetem Teer einen Tag früher dran sind, als gedacht, beschließen wir, am Chjargas Nuur einen Strandtag einzulegen. Es ist zwar reichlich was los, aber dafür gibts ein kleines Lädle, bei dem wir uns mit dem nötigsten eindecken können, leider gibts dort nur warmes Bier. Es braucht […]

Jul 292018
 
Mongolei - Das Abenteuer beginnt

Wie immer brauchen wir morgens ewig bis wir los kommen, aber an so schönen Zeltplätzen gibt es schlimmeres. Eine Pferdeherde zieht vorbei und so nach und nach trauen sich überall um uns herum die Erdhörnchen aus ihren Löchern. Die vorbeireitenden Hirten interessieren sich auch nicht für uns und so genießen […]

Jul 182018
 
Mongolei - von Charchorin nach Khorgon Uul

Mongolei, das erste große Ziel unserer Reise. Jahrelang wollte ich dort schon hin und plötzlich sind wir da. Nach der Einreise haben wir es eilig noch am selben Tag nach Ulan Bator zu kommen. Kaum mal halten wir an um schnell ein Foto zu machen. Wir wollen vor Einbruch der […]

Jul 122018
 
Mongolei noch ganz zahm

Das erste Mal auf unserer Reise sind wir vor 8 Uhr auf der Straße, die Mücken haben uns den Verzicht auf Kaffee und Frühstück aber auch leicht gemacht. Wir haben nur knapp 20 km bis zur Grenze, das schaffen wir auch ohne Aufputschmittel. Nachdem wir uns kurz vor dem Grenzposten […]

endlich Urlaub!

 Veröffentlicht von  Keine Antworten »
Jul 022018
 
endlich Urlaub!

So lang hatten wir uns auf warmes Wetter gefreut, jetzt ist es da und schon ist es wieder nicht recht. Wir schwitzen uns raus aus Usolje, die Suche nach einem Supermarkt zieht sich. Schließlich haben wir aber ein paar Vorräte ergattert und mit Fahrtwind sind die Temperaturen und der Sonnenschein […]

Jun 262018
 
Sibirien und Bike Post

Da das Wetter weiterhin nicht ganz unseren Vorstellungen entspricht, machen wir langsam. Lange Etappen bei Regen sind nichts für uns. Wir liegen zwar eine knappe Woche hinter unserem Zeitplan, aber was solls. Irgendwo holen wir das schon wieder rein. So landen wir also, natürlich eine Stunde später als gedacht, da […]

Jun 202018
 
... und noch weiter nach Osten…

Unsere Luxusherberge verlassen wir duftend, rasiert und mit frisch gewaschenen Klamotten im Gepäck – na klar – Richtung Osten. Jens, der vor ziemlich genau einem Jahr auch schon hier durchgekommen ist, hat uns noch ein paar Tipps gegeben, u.a. ein nettes Hostel in Kungur. Weit ists ja nicht da hin, […]