Jul 182018
 

Mongolei, das erste große Ziel unserer Reise. Jahrelang wollte ich dort schon hin und plötzlich sind wir da. Nach der Einreise haben wir es eilig noch am selben Tag nach Ulan Bator zu kommen. Kaum mal halten wir an um schnell ein Foto zu machen. Wir wollen vor Einbruch der Nacht ankommen, was nicht einfach wird, da wir für die letzten 7 km durch die Stadt noch über eine Stunde brauchen. Die nächsten Tage machen wir gar nichts und können uns kaum aufraffen unser Camp zu verlassen. Es ist einfach zu heiß und wir haben dringend Ruhe nötig. Wir schaffen es nicht mal den kurzen Ausflug zum Dschingis Khan Denkmal zu machen.
Irgendwann packen wir es dann doch. Als wir die Stadt hinter uns gelassen haben ist gleich deutlich weniger Verkehr. Ein paar mit Jurten beladene Umzugs-Laster, hin und wieder ein Pferd auf einem Pick-Up und nach wie vor unzählige Priusse. In Ulan Bator ist geschätzt jedes zweite Fahrzeug ein Toyota Hybrid. Zum einen sind die Steuern dafür wesentlich günstiger, zum anderen starten die Autos dank ihrer „Zusatzbatterie“ auch noch im kältesten Winter. Immerhin ist Ulan Bator die kälteste Hauptstadt der Welt und Temperaturen von -40°C sind hier im Winter keine Seltenheit. Derzeit ist es aber elendig heiß und so machen wir wieder kaum einen Stop, um ja nicht auf Fahrtwind zu verzichten.

Nach einer ersten Nacht, mit ein bisschen Mongolei Feeling, immerhin haben wir einige Jurten in der Aussicht stehen, geht es am nächsten Morgen auf nach wie vor gut geteerter Straße weiter. Da hatten wir ganz andere Befürchtungen. Verlässliche Streckeninfos waren im Vorfeld fast nicht zu bekommen und was ich so in verschiedenen Foren gelesen hatte, konnten uns entgegenkommende Reisende nicht bestätigen. Die Süd-Strecke, auf die wir nach einer kurzen Fahrt auf der Mittleren Route ausweichen wollten, sei keineswegs fast fertig geteert. Stattdessen soll sie in weiten Teilen eine Baustelle mit tief zerfurchten und versandeten Umleitungspassagen sein, liebevoll „The Beach“ genannt. Die Nordroute, die als recht schwierig verschrien ist, soll hingegen dieses Jahr gar nicht so schlimm sein. Lediglich für die letzten zwei- dreihundert Kilometer fehlen uns hier noch aktuelle Information und so schlagen wir halt diesen Weg ein. Zuerst geht es aber noch weiter wie geplant. Nach Karakorum, der ehemaligen Hauptstadt Dschingis Khans wo heute  das Kloster Erdene Dsuu steht.

Nach der obligatorischen Besichtigung, ein wenig Kultur muss auch trotz Hitze bei uns manchmal sein, versuchen wir in einer der Fressbuden etwas vegetarisches zu bekommen. Google Translate hilft uns weiter und die dritte Köchin ist nicht ganz so begriffstutzig.  Als sie махгүй liest, führt sie uns in ihre Küche und zeigt uns, was sie alles so „ohne Fleisch“ im Angebot hat. Schließlich gibt es Pommes, Krautsalat, Rührei und Reis. Die Gelberüben hat sie irgendwie nicht mehr untergebracht, aber besser als nichts.

Danach hab ich erstmal keine Idee, wo wir als nächstes hinfahren sollen. Es soll hier im Orchon Tal irgendwo einen Wasserfall geben, aber wo der ist, lässt sich gar nicht so einfach herausfinden, wenn auch noch google maps ständig mein Telefon zum Abstürzen bringt. Es ist zu heiß, besonders in der Motorradhose und meine Laune sinkt von Minute zu Minute. Wär ich doch mal im Schatten sitzen geblieben. Stattdessen müssen wir uns zahlreicher neugieriger Passanten erwehren. Kurz wird gefragt ob sie ein Foto machen können und schwuppdiwupp sitzt einer nach dem anderen auf den Moppeds. Alles wird angefingert, begutachtet und gefachsimpelt. Schnell mal n Helm übers dick geschminkte Gesicht, kurz den Tankrucksack beim Aufsteigen halb abgerissen, fast das Motorrad umgeschmissen – wer damit ein Problem hat, der sollte nicht in die Mongolei fahren.

Der Wasserfall liegt jedenfalls zu  weit im Abseits und Suse zeigt sich wenig begeistert, ohne Not einen Tag lang (one Way) kleinste Pisten fahren zu müssen. Um uns einen Übernachtungsplatz im Orchon Tal zu suchen, wie wir es eigentlich vor hatten, ist es noch zu früh. So besonders reizt uns der Teil, den wir von der Straße aus überblicken können, sowieso nicht. Ein entgegenkommender Kalifornier auf einem Ural-Gespann erzählt uns zu allem Übel auch noch, dass entlang unsrer Route ohnehin alle Seitenwege strickt gesperrt sind, um eine weitere Verbreitung der Maul-und-Klauen-Seuche, die hier gerade grassiert, zu unterbinden. Ein kurzer Blick auf das Wetter Radar macht uns abgesehen davon auch keine besondere Lust auf Zelten, da weitere Regenfronten Kurs auf uns nehmen. Dann halt doch gleich nach Tsetserleg ins Fairfield Guesthouse. Die Straße ist immernoch gut, die Landschaft so wie man sich die Mongolei vorstellt und das Wetter hält.  Zumindest vorerst. Abwechselnd passieren wir Schafe, Pferde, Rinder, Ziegen, Yaks und Kamele. Mal idyllisch auf der Weide, mal ignorant mitten auf der Straße.

Kurz vor unserem Ziel erwischt uns das Gewitter dann doch noch. Gerade haben wir den höchsten Pass erreicht als es so richtig losgeht. Nichts mehr mit heiß!  Stattdessen kalt, nass, stürmische Böen, Hagel und Blitze. Und gerade jetzt nirgends eine Jurte, bei der wir uns unterstellen könnten. Nur gut dass wir heute Abend ein Dach über dem Kopf haben und unsere Sachen wieder trocknen können. Sogar vegetarisches Essen wird im Cafe angeboten und so gönnen wir uns eine Lasagne, die überraschenderweise mit Pommes serviert wird und einen große Coleslaw. Das letzte richtige Essen für lange Zeit.

Am nächsten Morgen sehen wir beim Tanken Morito, einen Japaner den wir bereits aus dem Oasis kennen, durch die Stadt irren. Er schließt sich uns kurzerhand an und so starten wir bei bestem Wetter weiter nach Westen. Der Teer ist zwar erstmal weg, aber nur für kurze Zeit. Sobald es über einen Pass geht, wird hier auf Straßenbelag verzichtet. Etwas, dass sich noch einige Male wiederholen wird.

Auf dem Weg zum Khorgo Mountain, einem Vulkan und dem naheliegendem Tsagan Nuur ist heute volles Programm angesagt. Ausführliche Fotostopps an Ovoos, Yakherden, einem Canyon und der 100-ästigen Lärche sorgen dafür, dass wir nicht zu schnell vorwärts kommen. Zudem zieht sich unsere Mittagspause in die Länge, da wir fast alle Buden abklappern müssen, bis endlich eine Köchin, mit Hilfe eines dolmetschenden Tourguides kapiert, dass man ja einfach  nur das Fleisch beim Kochen weglassen muss und immer noch was Essbares übrigbleibt. Zwar bissl trocken, aber sättigend.

Morito denkt schon wir kommen gar nicht mehr an, und ich dachte immer Japaner wären fotowütig…

Am Abzweig zum Khorgo Uul trennen wir uns dann von ihm, er möchte lieber in eines der Ger Camps am See. Wir wollen erst mal auf den Vulkan und dann Wild Zelten, nicht am See, da wir Angst vor Fliegzeug haben, sondern lieber hinten im Tal am Bach, wo es sogar reichlich Feuerholz gibt. Und zur Belohnung für den schweißtreibenden Aufstieg auf den Vulkan holen wir uns anschließend in einem der Gercamps noch ein paar kalte Biere und lassen den Abend am Lagerfeuer ausklingen.

 

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