{"id":3213,"date":"2013-10-17T20:25:28","date_gmt":"2013-10-17T18:25:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.durch-die-welt.de\/?p=3213"},"modified":"2013-10-17T20:25:28","modified_gmt":"2013-10-17T18:25:28","slug":"auf-umwegen-zum-mrt-tschechien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.durch-die-welt.de\/index.php\/auf-umwegen-zum-mrt-tschechien\/","title":{"rendered":"Auf Umwegen zum MRT &#8211; Tschechien"},"content":{"rendered":"<p>Froh dem Rummel entronnen zu sein fahren wir am n\u00e4chsten Morgen ostw\u00e4rts. Unser GPS spielt uns noch den ein oder anderen Streich aber irgendwie schaffen wir es trotzdem dem Gro\u00dfstadtgewirr der tschechischen Tourismus Metropole zu entkommen, allerdings nur um uns sofort zum n\u00e4chsten Besucher-Magneten zu begeben. Unser n\u00e4chstes Ziel ist Kuttenberg 80 km \u00f6stlich von Prag. Kleine h\u00fcbsche Stra\u00dfen sind hier in Mittelb\u00f6hmen Mangelware, aber allzuviel Verkehr ist auch nicht. Der ein oder andere Abstecher auf der Suche nach einem Mittagessen f\u00fchrt uns durch halb verfallene D\u00f6rfer mit Resten sozialistischem Charmes nur leider ohne die erhofften urigen Wirtsh\u00e4user. Kurz vor unserem Ziel entdecken wir dann doch noch ein Ausflugsrestaurant direkt an der Hauptstra\u00dfe.\u00a0 Bis Suse f\u00fcr ihr Motorrad endlich eine geeignete Stellfl\u00e4che gefunden hat bin ich schon halb verhungert, aber helfen tu ich ihr bei ihren Rangierversuchen trotzdem nicht. Gen\u00fcgend Platz w\u00e4re eigentlich, aber sie schafft es trotzdem immer wieder ihr Mopped so hinzustellen, dass es partout nicht auf dem Seitenst\u00e4nder stehen bleiben will. Grund daf\u00fcr ist zum einen ihre neue Tieferlegung und zum anderen ihr Austausch-Federbein, das etwas weicher als der Vorg\u00e4nger zu sein scheint. Jetzt kommt sie zwar, besonders voll beladen, mit beiden Fersen bequem zum Boden, aber der bereits in Brasilien gek\u00fcrzte Seitenst\u00e4nder ist nun wieder viel zu lang. Nach dem Park-Drama folgt dann auch gleich die n\u00e4chste Herausforderung. Ein paar tschechische W\u00f6rter k\u00f6nnen wir zwar schon, aber von der Speisekarte verstehen wir kaum etwas. Auf B\u00f6hmische Kn\u00f6del haben wir keine Lust mehr. &#8222;Kartoffeln&#8220; als Beilage k\u00f6nnen wir noch identifizieren, aber ob es sich um Pommes, Salzkartoffeln, Kartoffelbrei oder Kartoffelpuffer handelt erfahren wir erst bei der Lieferung. Wir tippen also nur auf zwei Gerichte von der Tageskarte und hoffen auf landestypische Leckereien und sind dann doch etwas entt\u00e4uscht als wir Schnitzel mit Pommes und Essiggurke bekommen.<br \/>\nNur wenige Kilometer weiter verpassen wir beinahe die kleine Abzweigung nach Sedlec. Genaue Koordinaten hab ich, dank st\u00fcmperhafter Vorbereitung keine auf meinem GPS und so habe ich eine der zahlreichen Kirchen als Zielpunkt ausgew\u00e4hlt.\u00a0 Wer uns Kulturbanausen kennt wird sich nun wundern. Wir und eine Kirche? Aber die Kostnice in Sedlec ist etwas au\u00dfergew\u00f6hnliches. In der Gruft unterhalb der Friedhofskapelle befindet sich ein Beinhaus, ein heute seltenes Kuriosum. Die seit dem 15. Jahrhundert im Karner gesammelten Knochen von 40.000!\u00a0 ehemaligen &#8222;Friedhofsbewohnern&#8220; wurden im <a title=\"link zu Wikipedia\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sedletz-Ossarium\">Sedlec-Ossatorium<\/a> im 19. Jahrhundert zur architektonischen Ausgestaltung der Gruft genutzt und bilden immernoch eine groteske und bizarre Kulisse f\u00fcr zahlreiche Busreisende, die den Ausflug hierher als Tagestour in Prag buchen. Die Kapuzinergruft in Rom ist zwar mit ihren teilweise mit M\u00f6nchskutten bekleideten Skeletten noch etwas beeindruckender, aber die schiere Masse an gestapelten Knochen d\u00fcrfte auch hier ihren Eindruck nicht verfehlen.<\/p>\n<p>[singlepic id=2254 w=300 h=210 float=left][singlepic id=2255 w=300 h=210 float=]<\/p>\n<p>Nachdem der Kultur Gen\u00fcge getan ist, wird es wieder Zeit f\u00fcr Urlaub und nachdem unsere diesj\u00e4hrige Reise abgesehen von dem Ziel &#8211; Gieboldehausen &#8211; unter dem Motto Mittelgebirge steht, ist es Zeit die landschaftlich\u00a0 langweilige B\u00f6hmisch M\u00e4hrische Ebene zu verlassen. Auf unserer Haben Liste steht nach der Ersten Woche bereits die Schw\u00e4bische Alb, der Bregenzer-, der Bayrische und der B\u00f6hmerwald. Unser n\u00e4chstes Ziel sind die Sudeten, von denen ich bislang garnicht wusste, dass es sich dabei auch um ein Gebirge handelt. Auf Kultur folgt so auch noch eine Portion Geografie. Wir verlassen B\u00f6hmen und kommen nach Schlesien, einen f\u00fcr mich abstrakten Landstrich den ich bis jetzt haupts\u00e4chlich mit dem Ende des 2. Weltkrieges in Verbindung gebracht hatten und bislang nicht wusste wo genau es eigentlich liegt.<\/p>\n<p>[singlepic id=2257 w=320 h=240 float=left]Endlich wieder auf kleineren Nebenstra\u00dfen fahren wir in nord\u00f6stlicher Richtung. Kaum Verkehr, zumindest f\u00fcr unsere Enduros gute und kurvige Stra\u00dfen und die abwechslungsreiche Landschaft sorgen daf\u00fcr, dass wir mal wieder vergessen Fotos zu machen. Nur einmal stoppen wir kurz und heben mit ein paar Einheimischen einen Kleinwagen aus dem Stra\u00dfengraben, der beim Abbiegen die Kurve zu eng genommen hatte. Schnell, unkompliziert und ganz ohne ADAC &#8211; ob das in Deutschland auch klappen w\u00fcrde?<\/p>\n<p>Die verstreut liegenden kleinen D\u00f6rfer, sanfte H\u00fcgel, W\u00e4lder, Wiesen und Felder bieten ideale Bedingungen um mal wieder wild zu zelten und so fahren wir noch bis kurz vor den Krkono\u0161sk\u00fd N\u00e1rodn\u00ed Park.\u00a0 Da in den tschechischen Nationalparks das wilde Campieren streng verboten ist und in Gebirgen gute, respektive flache Stellen auf denen noch niemand wohnt eh schwierig zu finden sind suchen wir uns bereits etwas au\u00dferhalb des Parks ein Pl\u00e4tzchen f\u00fcr die Nacht. Wer mich kennt wei\u00df, dass die Schlafplatzsuche mit mir nicht so einfach ist und Suse schon \u00f6fter viel Geduld beweisen musste, wenn ich ein ums andere Mal weiter und weiter gefahren bin und sie nur noch absteigen wollte, aber heute l\u00e4uft es. Im Vorbeifahren entdecke ich am Ortsausgang\u00a0 von Rudnik einen schmalen Feldweg. Wir kehren um und holpern zwischen Waldrand und Wiese ein schmales Tal entlang bis der Fahrweg aufh\u00f6rt und in eine \u00fcberwucherte, tiefe schlammige Traktorspur \u00fcbergeht.\u00a0[singlepic id=2258 w=320 h=240 float=right] Nachdem sich die beiden Spazierg\u00e4nger mit ihrem Hund verzogen haben bauen wir unser neues, recht schmales Tunnelzelt direkt am Wegesrand auf. Besonders sch\u00f6n ist der Stellplatz nicht, aber die Lage zwischen Wald, Bach und Wiese gleicht das allemal aus. Bei letztem Tageslicht sammeln wir trockenes Holz, das noch vom letzten Hochwasser \u00fcberall in den B\u00e4umen h\u00e4ngt und lassen den Abend mit einem Lagerfeuer am Bachrand, der sich auch optimal zum Bier k\u00fchlen eignet, ausklingen.<br \/>\nDie Sonnenstrahlen die p\u00fcnktlich zum Zeltabbau den Morgennebel durchdringen versprechen mehr als der Tag halten kann. Obwohl wir nur bis knapp Tausend Meter ins Riesengebirge hinauffahren nutzen wir den einzigen Fotostopp in erster Linie um uns w\u00e4rmer anzuziehen. Es ist bew\u00f6lkt und die Luft ist schneidend kalt, aber die Stra\u00dfen sind gut ausgebaut und schl\u00e4ngeln sich fr\u00f6hlich durch den dunklen Wald in die H\u00f6he. Kaum auf der Passh\u00f6he sind wir auch schon in Polen. Den geplanten Abzweig gleich nach der Grenze haben wir \u00fcbersehen, aber auch die vermeintliche Hauptstra\u00dfe ist nur knapp 3 Meter schmal und\u00a0 macht m\u00e4chtig Spa\u00df. Wir sind mal wieder von Europa begeistert. In S\u00fcdamerika h\u00e4tten wir uns einen zwei Stunden Abstecher in ein anderes Land verkniffen, bei Wartezeiten von bis zu einem halben Tag an den Grenzen. In engen Kehren geht es steil durch dichten Wald und schnell haben wir das polnische Riesengebirgs-Vorland erreicht. Rechter Hand liegen zwischen gr\u00fcnen Wiesen vereinzelt kleine Seen und in der Ferne bilden bewaldete H\u00fcgel eine h\u00fcbsche Kulisse, linker Hand liegt das steil aufragende Riesengebirge mit der Schneekoppe und vor uns dunkle Wolken. V\u00f6llig verpeilt bemerken wir erst an der ersten Tankstelle, dass wir hier mit unseren Tschechischen Kronen nicht weiterkommen, \u00fcberall gibt es den Euro leider doch noch nicht. Mit unseren gro\u00dfen Tanks ist das aber kein echtes Problem und da die Spritpreise hier in Polen kaum g\u00fcnstiger als in Tschechien oder Deutschland sind, fahren wir kurzerhand weiter.\u00a0 Kaum ist es Zeit f\u00fcrs Mittagessen sind urpl\u00f6tzlich die gerade noch haufenweise vorhandenen Restaurants verschwunden. Die Stra\u00dfe hat uns in der Zwischenzeit zur\u00fcck ins Gebirge gef\u00fchrt, die Ortschaften werden kleiner und seltener und so staunen wir nicht schlecht als wir\u00a0 Szklarska Por\u0119ba erreichen. Hier tummeln sich zahlreiche Wochenendausfl\u00fcgler. Der durchdringende Gestank nach altem Frittierfett verdirbt uns den Hunger und die <em>I<\/em><em>rren Ivans<\/em> die auf der Suche nach dem R\u00fcbezahl die Stra\u00dfen unsicher machen sorgen f\u00fcr unsere eilige Flucht aus dieser kleinen &#8222;Touristen Metropole&#8220;.<\/p>\n<p>[singlepic id=2262 w=300 h=210 float=left][singlepic id=2267 w=300 h=210 float=]<br \/>\nNach einem kurzen Mittagessen im Glasmuseum von Vilemov bei dem wir au\u00dfer den Bierkr\u00fcgen des leckeren lokalen Biers kein einziges Glas angeschaut haben gelangen wir aus dem Riesengebirge ins Isergebirge. Die Berge gehen in H\u00fcgel \u00fcber, W\u00e4lder weichen Wiesen, Heuballen sprie\u00dfen wie Pilze auf den sp\u00e4tsommerlichen H\u00e4ngen. Im B\u00f6hmischen Paradies, dem Cesky Raj finden wir immer noch kleinere Str\u00e4\u00dfchen, die uns vorbei an Burgen und Ruinen durch eine bizarre Sandsteinfelsenlandschaft f\u00fchren. Bis zu unserem geplanten Tagesziel, der Pelene Doly, sind es noch knapp 50 km und so nehmen wir den direkten Weg. Als wir bei der Bikerh\u00f6hle ankommen, sind alle gerade am zusammenr\u00e4umen und nur drei Chopperfahrer sitzen vor der H\u00f6hle vor ihren leeren Kaffeetassen. Hier, in dieser Biker H\u00f6hle wollten wir eigentlich \u00fcbernachten, aber da gerade alles verrammelt wird, werfen wir nur einen kurzen Blick in das dunkle Labyrinth der angeblich auch mit dem Motorrad befahrbaren H\u00f6hle und ziehen weiter. Am heutigen Sonntag Abend ist jedenfalls nichts los, schade! Das hier aber auch ordentlich gefeiert werden kann, k\u00f6nnt ihr im <a title=\"Bikerh\u00f6hle\" href=\"http:\/\/www.doksyblog.de\/2010\/01\/28\/pekelne-doly-bikerhohle\/\" target=\"_blank\">Doksy-Blog<\/a> nachlesen und auf der Webseite des dazugeh\u00f6rigen <a title=\"pekelne doly\" href=\"http:\/\/www.pekelnedoly.cz\/\" target=\"_blank\">Motorradclubs<\/a> findet sich sicher auch die ein oder andere Veranstaltung.<br \/>\nWir tun uns aber auch diesmal nicht schwer einen zeltgeeigneten Waldrand zu finden und fahren am n\u00e4chsten Morgen auf einer scheinbar recht beliebten Motorrad-Strecke noch ein wenig durch die B\u00f6hmische Schweiz bevor wir an der Elbe das verregnete Deutschland erreichen.<\/p>\n<p>[slideshow id=56]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Froh dem Rummel entronnen zu sein fahren wir am n\u00e4chsten Morgen ostw\u00e4rts. Unser GPS spielt uns noch den ein oder anderen Streich aber irgendwie schaffen wir es trotzdem dem Gro\u00dfstadtgewirr der tschechischen Tourismus Metropole zu entkommen, allerdings nur um uns sofort zum n\u00e4chsten Besucher-Magneten zu begeben. Unser n\u00e4chstes Ziel ist Kuttenberg 80 km \u00f6stlich von <a href='https:\/\/www.durch-die-welt.de\/index.php\/auf-umwegen-zum-mrt-tschechien\/' class='excerpt-more'>[&#8230;]<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":3239,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[293,13],"tags":[],"class_list":["post-3213","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-europa","category-travelstorys","category-293-id","category-13-id","post-seq-1","post-parity-odd","meta-position-corners","fix"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.durch-die-welt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3213","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.durch-die-welt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.durch-die-welt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.durch-die-welt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.durch-die-welt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3213"}],"version-history":[{"count":29,"href":"https:\/\/www.durch-die-welt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3213\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3255,"href":"https:\/\/www.durch-die-welt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3213\/revisions\/3255"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.durch-die-welt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3239"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.durch-die-welt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3213"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.durch-die-welt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3213"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.durch-die-welt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3213"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}