{"id":2878,"date":"2012-09-06T08:07:37","date_gmt":"2012-09-06T06:07:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.durch-die-welt.de\/?p=2878"},"modified":"2012-09-06T08:07:37","modified_gmt":"2012-09-06T06:07:37","slug":"cali-medellin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.durch-die-welt.de\/index.php\/cali-medellin\/","title":{"rendered":"Cali &#038; Medellin"},"content":{"rendered":"<p>Cali begr\u00fcs<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" style=\"border: 1px solid black; margin-top: 2px; margin-bottom: 2px;\" src=\"https:\/\/www.durch-die-welt.de\/index.php?callback=image&amp;pid=2096&amp;width=320&amp;height=210&amp;mode=\" alt=\"\" width=\"256\" height=\"192\" \/>st uns mit einem beinahe italienischen Verkehrsgew\u00fchl. Die Rote Welle auf der Hauptstra\u00dfe geht uns bei den subtropischen Temperaturen gewaltig auf die Nerven. Cali \u00fcberrascht uns aber auch. Noch nirgends in S\u00fcdamerika haben wir so viel Armut und Elend gesehen. Manche der kl\u00e4glichen Gestalten die unter den Br\u00fccken liegen und in den dreckigen Seitengassen im M\u00fcll nach Essen w\u00fchlen, haben sich lediglich aus Plastikt\u00fcten einen Lendenschurz gebastelt. An ein paar Ampeln \u00fcberlege ich mir, einfach bei Rot weiter zu fahren, da ich nicht l\u00e4nger als unbedingt n\u00f6tig stehen bleiben will und wir sind froh als wir das Hostal Casa Blanca unbeschadet erreichen. Dummerweise ist keines der g\u00fcnstigeren Zimmer mehr frei, aber weitersuchen wollen wir auch nicht und so haben wir wenigstens viel Platz und eine Klimaanlage.<br \/>\nAbends machen wir uns dann auf die Suche nach einer Salsa Bar. Laut unserem Reisef\u00fchrer soll auch sonntags einiges los sein aber schon in unserem Hostal sind die M\u00e4dels an der Rezeption da eher skeptisch. Die Kneipenstra\u00dfe liegt wie ausgestorben vor uns und als wir die Pizzapreise sehen vergeht uns der Hunger.<br \/>\nAm n\u00e4chsten Tag geht es erstmal in die Werkstatt. Ich habe den Verdacht, dass mein Kettenrad-Lager schon wieder kaputt ist. Wie sich herausstellt ist es nicht kaputt, sondern nur locker. Daf\u00fcr sind jetzt die Radlager f\u00e4llig.<\/p>\n<p>[singlepic id=2095 w=320 h=210 float=left][singlepic id=2094 w=310 h=210 float=]<\/p>\n<p>Zu unserer \u00dcberraschung kann die kolumbianische Motorradwerkstatt die neuen Lager und sogar einen neuen Wellendichtring \u00fcber die Mittagspause bestellen und da die Gelegenheit g\u00fcnstig ist spendiere ich der Suzi f\u00fcr die letzten paar Tausend Kilometer auch gleich noch einen neuen Hinterreifen. In Argentinien mussten wir in Salta noch selbst 3 Tage s\u00e4mtliche Ersatzteill\u00e4den abklappern um mit M\u00fch&#8216; und Not ein passendes Lenkkopflager und Gabelsimmerringe zu finden und in Kolumbien bekommen wir \u00fcber Mittag sogar SKF Lager geliefert. Wir sind beeindruckt! Die Ersatzteilrechnung befindet sich zwar auf deutschem Niveau, daf\u00fcr m\u00fcssen wir f\u00fcr die Werkstatt nichts bezahlen. Ich hab zwar viel selbst machen k\u00f6nnen aber mir auch ordentlich helfen lassen.<br \/>\nVon Cali fahren wir recht unspektakul\u00e4r durch ein weites Tal nach Norden. Wir wollen nach Salento, einem kleinem Dorf in der Kaffeezone. Nachdem wir dank GPS auch ohne Beschilderung durch Armenia hindurchgefunden haben genehmigen wir uns am Stra\u00dfenrand noch einen Jugo. Auch direkt an den Obstst\u00e4nden gibt es hier leider keine frisch gemixten S\u00e4fte. Stattdessen wird tiefgek\u00fchltes (hoffentlich wenigstens selbstgemachtes) Konzentrat in den Mixer bef\u00f6rdert. Die Stra\u00dfe nach Salento erinnert uns dann an die nach Mindo. Schmal, kurvig und gr\u00fcn \u00fcberwucherte steile W\u00e4nde auf der einen und Wald auf der anderen Seite.<br \/>\nWir haben diesmal allerdings den falschen Tag erwischt. Es ist zwar Montag, aber leider ein Feiertag und so ist hier alles mit Tages- und Wochenendausfl\u00fcglern \u00fcberf\u00fcllt. Das ganze Dorf ist voll. Wir wollen fast schon wider umkehren als uns ein Mopedfahrer anspricht und uns eine Unterkunft zu einem fairen Preis anbietet. Der einzige Haken &#8211; Kein Parkplatz, aber er hat nichts dagegen dass wir die Motorr\u00e4der mit zu uns ins Zimmer stellen. Zuvor m\u00fcssen wir nur eine 50cm Stufe und einen &#8222;rechten Winkel&#8220; \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>[singlepic id=2112 w=320 h=210 float=left][singlepic id=2097 w=320 h=210 float=]<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag hat sich der Feiertagsrummel verzogen und Salento gef\u00e4llt uns gleich um einiges besser. Nach einer kleinen Migr\u00e4ne wollen wir eine nahegelegene Kaffe Finca besichtigen, aber als ich Suses Mopped aus unserem Zimmer schieben will ist mal wieder der Vorderreifen platt. Einer der alten Flicken ist por\u00f6s geworden aber 300m weiter gibts nat\u00fcrlich einen Vulkanisator und den Vorderreifen kann Suse schon fast ganz allein wieder draufziehen.<\/p>\n<p>[singlepic id=2049 w=320 h=210 float=left] [singlepic id=2052 w=320 h=210 float=]<\/p>\n<p>Als wir mit etwas Versp\u00e4tung los wollen springt die Kiste mal wieder ned an. Kein Z\u00fcndfunke! Also Tank runter und alle Kabel nochmal ein und ausgesteckt und tats\u00e4chlich l\u00e4uft die M\u00f6hre wieder. Nach einer kurzen Irrfahrt durchs Dorf &#8211; egal wen wir fragen, werden wir immer wieder in die entgegengesetzte Richtung geschickt &#8211; finden wir doch noch zur Kaffeeplantage.<\/p>\n<p>[singlepic id=2104 w=320 h=210 float=left][singlepic id=2102 w=320 h=210 float=]<\/p>\n<p>[singlepic id=2113 w=320 h=210 float=left][singlepic id=2106 w=320 h=210 float=]<\/p>\n<p>Um z\u00fcgig nach Medellin zu kommen nehmen wir ausnahmsweise die Panamericana und sind positiv \u00fcberrascht. Die Stra\u00dfe f\u00fchrt sch\u00f6n kurvig durch ein gr\u00fcnes, kleines Gebirge und auch der Verkehr h\u00e4lt sich in Grenzen. Nur wenige &#8222;Raser&#8220; und &#8222;\u00dcberholer&#8220; gef\u00e4hrden uns und die Fahrlaune steigt stetig. Bei einem Abstecher nach Manizales zum Geld abheben, f\u00fchlen wir uns\u00a0 auf der zweispurigen Kurvenstrecke wie auf einer ligurischen Gebirksautobahen. Kolumbien ist von den Stra\u00dfen und der Landschaft her sicherlich eines der besten Motorradreviere S\u00fcdamerikas.<br \/>\nWir machen trotz einer ewig roten Baustellenampel ordentlich Etappe und kurz vor Medellin freuen wir uns mal wieder, mit Motorr\u00e4dern unterwegs zu sein. Der Stau, den ein in einer Kehre liegengebliebener Sattelschlepper verursacht ist sicher 10km lang aber f\u00fcr uns ist das kein Hindernis. In Medellin sind wir mit Mike verabredet, der in Kolumbien Motorradreisen veranstaltet und uns zu sich nach Hause eingeladen hat. Medellin selbst besichtigen wir am n\u00e4chsten Tag. Es ist Blumenfest, aber trotz eifriger Suche k\u00f6nnen wir davon nichts finden. Was wir finden, ist eine ganz normale moderne Gro\u00dfstadt ohne besonderen Charme. Lange h\u00e4lt es uns hier nicht. Heidi und Bernd sind mittlerweile in Venezuela und die beiden versuchen wir seit Ecuador noch einmal einzuholen. Die zweit\u00e4gige Querung f\u00fchrt uns aus dem angenehmen Gebirge in die hei\u00dfe Tiefebene des Rio Magdalena wo wir knapp vor Einbruch der Dunkelheit an einem Truck Stop n\u00e4chtigen und uns bei dr\u00fcckender Hitze mit Bier und Burgern st\u00e4rken.<\/p>\n<p>[singlepic id=2089 w=320 h=210 float=left][singlepic id=2090 w=320 h=210 float=left]<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen sch\u00fcttet es wie aus K\u00fcbeln. Wir warten ab und sehen zu wie das Wasser auf dem Parkplatz immer weiter steigt. Als der Regen irgendwann nachl\u00e4sst, qu\u00e4len wir uns in unsere Regenklamotten und nach wenigen Kilometern lassen wir die Wolke hinter uns. Zuerst geht es langweilig immer geradeaus, rechts und links ges\u00e4umt von saftigen gr\u00fcnen Wiesen und bizarren Grasbuckeln, dann kommen wir wieder ins Gebirge und zu allem \u00dcberfluss f\u00e4ngt es wieder an zu sch\u00fctten. Nachdem ein \u00dcbel selten allein kommt, will einfach keine Unterkunft kommen und wir fahren bei Eisesk\u00e4lte und Dunkelheit fast eine Stunde die Route 66 entlang, bis wir endlich ein Zimmer f\u00fcr die Nacht finden. Es ist allerdings so ungem\u00fctlich kalt und zugig, da\u00df ich mir sogar meinen Schlafsack aus dem Packsack hole um etwas warm zu werden.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten morgen ist es nurnoch ein Katzensprung zur Grenze nach Venezuela. Wir brauchen allerdings ewig, da nur zwei der Schalter ge\u00f6ffnet haben und auch beim Zoll m\u00fcssen wir lange warten. Wir wissen \u00fcberhaupt nicht worauf, es steht niemand an und wir wollen nur unsere Fahrzeug-Einreise-Dokumente abgeben. Als ich \u00e4rgerlich werden und schon einfach so das Land verlassen will kommt Bewegung in die Sache. Wir bekommen eine Kopie unserer ausgestempelten Einfuhrpapiere und d\u00fcrfen endlich ausreisen.<\/p>\n<p>[slideshow id=50]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Cali begr\u00fcsst uns mit einem beinahe italienischen Verkehrsgew\u00fchl. Die Rote Welle auf der Hauptstra\u00dfe geht uns bei den subtropischen Temperaturen gewaltig auf die Nerven. Cali \u00fcberrascht uns aber auch. Noch nirgends in S\u00fcdamerika haben wir so viel Armut und Elend gesehen. 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